Freitag, 21. Februar 2025

Basketry


Als klar war, wir fahren nach Vancouver Island, habe ich nach Workshops gesucht. Ich wollte Kontakt mit Leuten von dort und ich wollte was lernen. Kräuterwanderungen, Herstellen von Kosmetik oder Naturmedizin, Blumen oder Kränze binden-Kurse. All sowas wird hier angeboten, aber nur im Sommer. Wir fahren im Februar. So war ich völlig beglückt, dass Joan Carrigan, eine Künstlerin von Salt Spring Island, einer der Southern Gulf Islands zwischen Vancouver Island und dem Festland, genau am ersten Wochenende unserer Reise einen Workshop zu "small scale basketry techniques" anbietet. Gesehen, gebucht, bezahlt (es lebe Paypal als Möglichkeit über die Kontinente hinweg Geld zu überweisen ohne Gebühren). 



Die First Nations von Vancouver Island sind berühmt für ihre Körbe aus Naturmaterialien, speziell aus Zedernrinde. Western Red Cedar, Thuja plicata, Riesen-Lebensbaum ist hier heimisch, entlang der ganzen Pazifikküste von Alaska bis Oregon, besonders aber in Britisch Columbia, und speziell auf Vancouver Island. Der ganze Baum wird durch die verschiedenen ansässigen indigenen Kulturen genutzt, das Holz des Stammes für Kanus, Totempfähle und Bretter, die Zweige für Matten, Seile und Fischernetze, die Rinde und Wurzeln für Körbe und Regenhüte und -capes.




Der Kurs findet in der Lions Club Hall statt, einer Log Cabin, einem echten Blockhaus, mit schrägem Löwenkopf.






🎶 I'm so exited, I just can't hide it. 🎶


Vier white Canadians, drei Frauen und ein Mann, Kind 2 und ich sind der ganze Workshop.

Joan hat uns köstliche Blaubeermuffins gebacken, präsentiert in einem selbstgemachten Korb aus Reben von chocolate vine, Akebia quinata. Ich lerne dieses Wochenende nicht nur neue Techniken, sondern auch neue Wörter und Pflanzen kennen.







🎶 I'm so excited, I just can't hide it 🎶


Vier Techniken für kleine Körbe hat Joan in ihrer Ankündigung geschrieben und es geht los mit coiling. Wickeln, wickeln, wickeln.

Wunderbares buntes Leinengarn, drei passende Farben zusammengestellt zu einem Faden. Mit einem Achterloop festnähen, und Stück um Stück wächst das Körbchen.




Die nächste Technik erschließt sich mir sofort. Knotting erfordert etwas Knotenkunde, was aber mit Segelerfahrung und uralten Makrameekenntnissen rasch umgesetzt ist.




Wie gesagt, ein bisschen wie Makramee, aber mit gewachstem Leinenfaden. Allein das Anfassgefühl ist schon super. 

Am zweiten Tag kommt endlich die Verarbeitung von Zedernrinde. 

Joan hat die Rindenstreifen über Nacht eingeweicht.




Unsere Aufgabe ist es die Rinde in die richtige Dicke zu bekommen. Joan zeigt uns die Technik, mit beiden Händen zu ziehen, mal mit Druck auf der einen, mal mit Druck auf der anderen Seite. Und wenn die Rinde sich wie schlechtes Paketband verhält und schmaler wird, hilft ein herzhafter Schnitt mit dem Messer, um sie wieder auf Kurs zu bringen. 






Die richtige Breite hat Joan mit diesem Werkzeug aus der Lederbearbeitung schon vorgegeben. Breite der Streifen einstellen, Rinde einspannen und ziiiiehen. Die Messer wirken gruselig scharf und erfüllen zuverlässig ihren Zweck, die Rinde in 1 cm breite Streifen zu zerteilen. 



Die Rindenstreifen zusammen legen, so dass der kleine Korb gewebt werden kann.




Zwei getrocknete und wieder befeuchtete Seggen sind das Webmaterial in die Höhe,  der Weidenrindenstreifen ist für die Optik. 




Und immer schön einweichen, sonst lässt sich der Rand nicht umbiegen und in die richtige Form bringen. 






Fertig. Mich juckt es in den Fingern, zuhause mehr von diesen Körben herzustellen. Joan gibt mir Rohmaterial für mindestens drei weitere Körbchen mit.


Die letzte Technik ist Knotless netting. Das lässt mich schmunzeln. Schon für meine Diplomarbeit 1993 habe ich mir 8000 Jahre alte mesolithische Fischernetze angeschaut und die Technik nachvollzogen. Insofern geht mir auch das schnell von der Hand. Wir ummanteln glatte Steine. Ich kann mir gut vorstellen, mehr Steinanhänger herzustellen für besondere Gelegenheiten. 





Stolzes Ergebnis des Workshops 




Ich habe schon jede Menge Ideen, was ich an kleinen Behältnissen anfertigen kann, Medizinbeutel, Anhänger, Schatzkästchen und vieles mehr.

Meine Redestäbe verzieren, meine Rasseln schmücken. Steine als Amulette umgarnen. Unendliche Möglichkeiten eröffnen sich mir für meine spirituelle Arbeit. 


Zwei Tage Workshop vor Ort, neue Techniken lernen, Einheimische kennenlernen, das ist ein guter Einstieg zu drei Wochen Kanadaurlaub.

Sonntag, 16. Februar 2025

Neubeginn

42 angefangene Posts habe ich. Die Depression, die mich mit Beginn des Ukrainekrieges fest in den Griff nahm, hat schon vorher angefangen, mich in den Würgegriff zu nehmen. Hat dazu geführt, dass ich Dinge beginne und nicht beende, manches auch gar nicht erst in Angriff nehme. Vielleicht bin ich nie geheilt, vielleicht muss ich akzeptieren, dass ich bis an mein Lebensende auf meine mentale Gesundheit mehr als andere Leute aufpassen muss.


Ich gebe nicht auf. Und so beginne ich jetzt den Blog neu. Meine Themen haben sich geändert. Frauen, Spiritualität und andere Sachen trifft es jetzt besser. Das war als Hintergrundfaden schon vorher da, ist jetzt aber sichtbarer.


Ich sitze in Kanada, im Jahresurlaub im Februar, sechs Uhr morgens Ortszeit, der Jetlag schlägt noch zu. Draußen ist es dunkel, es regnet. Drinnen, im Hotelzimmer, ist es warm und gemütlich. Genau die richtige Zeit, zu schreiben, neu anzufangen. 

Kanada im Februar. Kind 2s Mitbewohnerin hat ein Auslandssemester an der VIU in Nanaimo und wir besuchen sie. Unter anderem. So will ich diesen Urlaub nutzen, mit dem Blog neu anzufangen und mal sehen, wo er mich hinführt.