Freitag, 16. Oktober 2020

Mein größter Mißerfolg

Am Montag habe ich mal wieder den ganzen Tag in Vorstellungsgesprächen verbracht. Es ist bei uns Usus, dass sich die Gesprächsleitung aka der/die Vorgesetzte Fragen ausdenkt, damit die Gespräche vergleichbar sind. Da kommen dann die klassischen Fragen nach Stärken und Schwächen, wie reagieren Sie auf Kritik und was es da sonst noch gibt. So auch die Frage nach dem größten Mißerfolg. 

Was sehe ich als meinen größten beruflichen Mißerfolg? Die spontane Anwort: dass als Gleichstellungsbeauftragte meine beiden Töchter kein technisches Fach studieren. Und genauso spontan: mein größter Erfolg ist, dass meine beiden Töchter kein technisches Fach studieren. Denn das ist für mich ein Erfolg: dass meine beiden Töchter so klare, selbständige Persönlichkeiten geworden sind, dass sie nicht Mama zuliebe was Technisches studieren. So ist mein größter Mißerfolg gleichzeitig mein größter Erfolg.

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Neue berufliche Herausforderung

Seit 2002 bin ich an der Hochschule, also ganz schön lang. Zum Glück habe ich immer wieder neue Aufgaben und Projekte übertragen bekommen, sonst wäre ich längst im Bore out gelandet. Vor zwei Jahren habe ich einen Kollegen von Transfer & Kooperation beerbt. Er ist in Rente gegangen, und ich durfte die Abteilung in die Moderne bringen. Das hat Spaß gemacht. Ausmisten, Prioritäten setzen, alte und neue Kooperationen auf den Prüfstand, neue Kolleg*innen für neue Aufgaben gewinnen, Altbewährtes fortführen.

Gleich in den ersten Wochen in der neuen Aufgabe ist mir klar geworden, wir brauchen langfristig eine Transfer-Strategie, wenn ich mich nicht komplett überarbeiten soll. Die Welt ist so groß, da müssen wir uns einen Kompass besorgen. Meine beiden Staff Weeks in Bologna und in Helsinki haben mich in diesem Ansinnen nur noch bestärkt. Doch bekanntlich mahlen bürokratische Mühlen langsam, so daß es bis diesen August gedauert hat, bis ich das ok hatte, und wir loslegen konnten. Wir, das ist in dem Fall eine Kollegin, die Forschungsreferentin, und ich. 

Nun schrammt eine Transfer-Strategie für die Hochschule nur knapp an einer Leitbild-Diskussion vorbei und ist entsprechend aufwendig. Zum Glück haben wir mit dem Stifterverband für die Wissenschaft einen Partner an unserer Seite, der uns durch den Prozess begleitet. und so haben wir ein 14köpfiges Projektteam gebildet, und ich darf den Prozess leiten. Darf mein neu erworbenes Wissen zu Konsentmoderation, mein alt erworbenes Wissen über Mikropolitik und meine Kenntnisse in Projektarbeit praktisch anwenden. Yuppidu, das werden spannende Monate bis nächsten Mai.




Donnerstag, 8. Oktober 2020

Newslichter

Die Tage sind immer noch so vollgepackt, dass mir kaum Zeit für Reflexion und Kontemplation bleibt. Einziger Lichtblick für einen kurzen Augenblick: die Newslichter , die ich morgens kurz scanne. Newslichter mit Nachrichten, Informationen und kurzen oder längeren Gedankensplittern, die mein Herz wärmen. Heute morgen haben mich Gedichte von Khalil Gibran und Rainer Maria Rilke begrüßt. 

Und beide Texte sprechen mir so aus dem Herzen, als wären sie nur für mich in meiner heutigen Verfassung geschrieben. 


Verzweifel nicht! (Rainer Maria Rilke)


Der Text von Gibran erscheint nicht in der Smartphone-Ansicht, daher hier nochmal extra. Ich verschenke meinen Überfluss, meine Liebe, meine Freude, meine Fröhlichkeit, meine Zuwendung, meine Zuneigung, weil mein Herz sonst verdorrt.


Mein Herz ist ein Baum,

beladen mit Früchten,

die ich pflücke, um sie

zu verschenken 

(Khalil Gibran)

Sonntag, 20. September 2020

Sonntagsfahrer

Letztes Wochenende hatte ich Fortbildung im ZEGG in Bad Belzig, die kommende Woche habe ich Weiterbildung in der Oberpfalz. Jedesmal am Freitag und am Sonntag auf der A10 Berliner Ring stehe ich im S.T.A.U. Erhöhtes Verkehrsaufkommen sowieso, und am Sonntag sind noch mehr Leute aka Autos unterwegs als freitags. Also an jeder Baustelle Stau und auf jeder Fahrt einmal so ein Monsterstau von anderthalb Stunden.



Letzten Sonntag bin ich entnervt von der Autobahn abgebogen und war in der Havel baden, bei Phöben. Da wollte ich immer schon mal gucken und das Ortsschild fotografieren, weil mein Patenkind Phöbe heißt. 



Heute war ich wieder baden in der Havel, diesmal in Ketzin. So kann frau sich die Wartezeit an der Fähre versüssen. Und braucht genauso lange wie im Stau auf der Autobahn, nur macht es viel viel mehr Spaß. 






Montag, 7. September 2020

Das Rentier in der Küche

Corona hat mir nun mal einen Strich durch meine Rechnung drei Monate Sabbatical in Russland gemacht. Doch aufgehoben ist nicht aufgeschoben, die meisten Bausteine konnte ich ins nächste Jahr schieben. So interessiert mich die Lesung „Das Rentier in der Küche“ mit Britta Wulf im Stadtmuseum Bergen sofort. Coronagerecht im Garten. 
Sie berichtet über ihre Reisen an den Baikal-See, im Sommer wie im Winter. Erst recht interessiert bin ich, als ich in der Ankündigung lese: eine deutsch-sibirische Liebe. Für mich als bekennende Liebesroman-Leserin ein zusätzliches Bonbon. Sibirien, Baikalsee, Abenteuer und Liebe. Und ich werde nicht enttäuscht. Vor Jahr und Tag hatte ich ein Buch geschenkt bekommen, da ging es auch um eine Reise an den Baikal-See, aus der dann  über die Jahre mehrere Reisen wurden. Aber die Autorin , Petra Büschelberger, hat sich über das Zwischenmenschliche sehr bedeckt gehalten. 

Bereits die Einleitung der Lesung lässt mich aufhorchen. Britta Wolf ist Redakteurin, Filmemacherin beim rbb, ihre Spezialität sind Minderheiten. Und so ist der Kontakt zustande gekommen, weil sie einen Film zu den Ewenken gemacht hat. Das stand nicht in dem Werbeflyer.
Was in der Einladung auch nicht steht, ist, dass ihr Anatoli, ihre deutsch-sibirische Liebe, Ewenke ist. Ein noch größeres Bonbon also. Beziehung/Gefühle und Ewenken.  Seit ich in der Schule von Ewenken, Ewenen, Nenzen, Nanten, Tschuktschen erfahren habe, bin ich fasziniert davon. Auch wenn mir sonnenklar ist, dass die ethnologischen Filme und Bilder, die ich kenne, heute nicht mehr gültig sind.  19. Jahrhundert ist hier wie dort vorbei. Heute leben all die russischen Minderheiten meist in Siedlungen städtischen Typs (wie der amtliche Terminus ist für Dörfer, in deren Umfeld nichts Größeres ist, die daher Schule und Krankenhaus haben). Dennoch zieht es mich dahin,  möchte ich dorthin reisen, Leute kennenlernen, den Alltag erleben. Davon liest Britta Wulf, zeigt Bilder. Ich bin hin und weg, meine Reisesehnsucht blüht wieder voll auf.

Manches Mal bin ich den Tränen nah, weil sie so persönlich und authentisch schreibt und erzählt. Zweimal hat sie eine Szene ausgewählt, in der ihr Freund sie einfach nur im Arm hält. Die Gefühle, die da fließen, die sie mit diesen beiden Szenen beschreibt, sind große Gefühle, liebevolle, starke Gefühle, auch wenn sie das L-Wort vermeidet. Auch da blüht eine Sehnsucht in mir auf, merke ich.
Ich schreibe im Blog bisher nicht über Beziehung, Liebesgefühle. Dabei erlebe ich da auch einiges. Vielleicht sollte ich meine strikte Selbstzensur in diesem Bereich nochmal überdenken.

Ich habe mir beide Bücher von Britta Wulf gekauft, nicht nur „Das Rentier in der Küche“. Das zweite heißt „..und der Schamane lacht“. Vielleicht muss ich auch meine Selbstzensur im Blog für den Bereich Schamanismus und Spiritualität überdenken. Aber vor allem muss ich mir Zeit nehmen, die beiden Bücher zu lesen. Übermorgen vielleicht.


Sonntag, 6. September 2020

Hot Stuff

Oma erzählt vom Krieg. So komme ich mir oft vor, wenn ich von meiner Jugend erzähle. Soviel hat sich geändert, sovieles von dem, was in den 80igern neu war, gibt es schon gar nicht mehr. Damals ...

Insofern kommt mir die Ausstellung Hot Stuff im Helmsmuseum in Hamburg-Harburg gerade recht. Die Kollegen haben eine Archäologie der Sachkultur der 70er bis 90er gemacht. Ich bestaune die Entwicklung der Handys, erinnere mich mit Grauen an den Nadeldrucker. Lost sounds heißt ein Ausstellungsteil, doch um das Geräusch des Nadeldruckers tut es mir nicht leid. Doch Schreibmaschinen hört man heutzutage auch nicht mehr....

Ich treffe längst vergessene geliebte Gegenstände, die damals Hot Stuff waren, Must haves. Ghettoblaster, Walkman, elektrische Schreibmaschine. Aber auch ein Münzfernsprecher, ein altmodisches Telefon mit Wählscheibe, Hörer, Gabel und Kabel. Lang lang ist es her, 20-30 Jahre, mehr nicht. Verschwunden aus dem Alltag. Die Inszenierung von Kinderzimmer, Wohnzimmer und Büro aus der Zeit, genauso wie die Atari-Spielkonsolen stimmen mich nostalgisch.

Kind 2 guckt die Serie 1983. Mama, warst du damals (1979) bei der Demo im Bonner Hofgarten dabei? Ja, war ich. Und diese und jene Freunde waren auf den Anti-AKW-Demos, jener gehörte zu den Hausbesetzern. Oma erzählt vom Krieg ...






Der Vorläufer der BOOM-Box, ein Ghetto-Blaster. Damit konnte man genauso eine Party im Freien schmeißen 😀.

Ein Walkman! Musik für unterwegs auf die Ohren per Kassette. Meiner war blau.

Was war ich damals stolz auf diese, meine erste elektrische Schreibmaschine!
Der Kaugummi-Automat war hingegen in meiner Jugend schon alt.

Ich ziehe mir prompt eine rosa Kaugummi-Kugel, die scheußlich schmeckt.

Egal - das Erlebnis zählt.




Mahlers in Rostock

Die Kunsthalle in Rostock hat ein geniales System. Wer eine Karte für eine Ausstellung erwirbt, kann so oft gewollt nochmals in die Ausstellung gehen. Die Eintrittskarte gilt bis zum Ende der Ausstellung.

Im Februar konnte ich mir die Ausstellung „Ute Mahler & GerhardMahler. Werkschau" nur kurz angucken, denn Hauptpunkt des Abends war der Arte-Film Deutschland 2019. Doch damals schon war ich beeindruckt von der Vielfalt des Ouevres der beiden, jede*r einzeln für sich und gemeinsam.

Jetzt habe ich den ganzen Sonntagnachmittag Zeit, um 17 Uhr schließt das Haus. Und so streife ich durch die Bilder, lasse mich treiben, vertiefe mich in Wandbilder, Waldbilder, Weltbilder.
An diesem Nachmittag sagen mir Bilder so viel mehr als Worte.



Nun habe ich keine vertiefte Ahnung, wie genau die Rechtslage ist, Fotos von Fotos aus der Ausstellung ins Internet zu setzen. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, die Links direkt zu einzelnen Bilder von der Website der Ostkreuz-Agentur zu setzen, und meine Kommentare dazu. Die Bilder direkt hier hochzuladen IST illegal 😀.

Manche ihrer Bilder sind mir längst eingebrannt in mein Bildergedächtnis:
Der Überfall auf den Sonnenhof in Lichtenhagen, Rostock 1992
Der Tanz auf der Mauer, Berlin 1989

Aus der Serie Die seltsamen Tage hauen mich gleich zwei Bilder um: Ein zukünftiger Wald (Bild 3)  wie eine Grafik und ein Foto eines Wandgemäldes (Bild 11) wie gemalt.
Die Serien Mona Lisen der Vorstädte , Kleinstadt bleiben genauso haften wie die Serien Brüder und Schwestern in Ost und West. Aber auch die Modefotos, die Alltagsfotos. Die beiden haben es einfach drauf, aussagestarke Fotos zu machen. Klickt euch einfach mal durch die Links. Und guckt euch auch die anderen grandiosen Fotograf*innen der Ostkreuz-Agentur an.