Auf Suomenlinna, der Festungsinsel vor Helsinki gehe ich in ein Restaurant, dass neue finnische Küche verspricht. Als all you can eat-Buffet. Ich bin begeistert. Altbekannte Zutaten anders gemischt. Rote Beete Salat mit Gorgonzola und weichen Sonnenblumenkernen, Kartoffelsalat mit Fisch, Kapern und Dill, nur mit einem Hauch Ölvinaigrette. Dicke Bohnen in einer Harissasauce, dass es mir die Schuhe auszieht. Zum Glück neutralisiert traditionelles finnisches Roggenbrot das Brennen auch. Und eine von mir spontan kreierte Speise: Crunchmüsli mit getrockneten Apfelschnitzen, dazu Senf-Salatsauce. Auch sehr lecker. Die Vorsuppe war Krause Glucke-Pilzsuppe, selbst gesammelt laut dem Kellner. Wenn so neue finnische Küche schmeckt, kann ich sie nur empfehlen.
Dienstag, 6. November 2018
Montag, 5. November 2018
Übernachten in Helsinki
Erasmus zahlt für Staff je nach Reiseland eine Tagespauschale. Als ich höre, für Helsinki bekomme ich 140 Euro am Tag, denke ich, super, davon kann ich gut leben in der Zeit. Weit gefehlt. Die Uni ist mitten in der Stadt und die empfohlenen Hotels in der mitgeschickten Liste kosten alle 150, 160 Euro die Nacht. Ganz am Ende der Liste steht EurHostel. Die Preise dort finde ich auch noch ziemlich happig. 9 qm Einzelzimmer, WC und Dusche auf dem Flur für 48,20 die Nacht. Ohne Frühstück. Aber gut gelegen.
Als ich dort ankomme, merke ich, dass ich in der Jugendherberge gelandet bin. Da ich auf deren Seite gebucht habe, und einen Jugendherbergsausweis habe, bekomme ich die Sauna morgens und abends umsonst dazu. Immerhin.
Frühstücken in Helsinki ist auch so eine Sache. 10,50 kostet das Buffet in der JuHe. Am ersten Morgen bin ich zu spät. Und zahle in einem beheizten Zelt am Hafen für einen normalen Kaffee und ein Chicken-Panini 7,40 €. Helsinki ist auch da teurer als ich dachte.
Als ich dort ankomme, merke ich, dass ich in der Jugendherberge gelandet bin. Da ich auf deren Seite gebucht habe, und einen Jugendherbergsausweis habe, bekomme ich die Sauna morgens und abends umsonst dazu. Immerhin.
Frühstücken in Helsinki ist auch so eine Sache. 10,50 kostet das Buffet in der JuHe. Am ersten Morgen bin ich zu spät. Und zahle in einem beheizten Zelt am Hafen für einen normalen Kaffee und ein Chicken-Panini 7,40 €. Helsinki ist auch da teurer als ich dachte.
Sonntag, 4. November 2018
Dienstreise nach Helsinki
Nicht nur unsere Studierenden dürfen mit Erasmus ins europäische Ausland, sondern auch wir Mitarbeitenden. Ein Lob an die EU. Zum einen, weil sie die Mittel bereit stellt, zum anderen, weil sie konsequent daran festhält, dass Europa nur funktioniert, wenn wir Menschen uns kennen und zusammen arbeiten.
So habe ich von Mittwoch bis Freitag einen Workshop an der Uni in Helsinki zum Thema "How to connect researcher and companies". Eine Staff Week, die genau mein momentanes berufliches Thema berührt.
Da ich noch so viele Überstunden habe, nutze ich die Zeit und bin schon heute morgen, am Sonntag, nach Helsinki geflogen.
Heute Nachmittag bin ich bei schönstem Sonnenschein durch die Stadt geschlendert. Ganz viel tolle Architektur von 1850 bis heute, und immer wieder Ausblicke aufs Wasser. Die Innenstadt ist auf diversen Felseninseln gebaut, so dass es manches Mal hügelig hoch und runter geht.
Die Reihe der Abendkonzerte beginnt aus gegebenem Anlass mit einem Konzert im Felsendom, bzw. der Temppeliaukion kirkko. Aufgeführt wird die Bach-Kantate "Gottes Zeit" und das Requiem von Gabriel Faure mit dem Cantabile-kuoro unter der Leitung von Dominik Vogt. Zeit zu trauern, um alles was nicht lebensfähig ist.
Die Kirche hat roh behauene Felswände, und dadurch eine besonders gute Akustik. Und der Chor, ebenso wie die Solisten, versteht sein Handwerk. Ich verbringe ruhige anderthalb Stunden mit Zuhörern und ruhig in mir werden.
So habe ich von Mittwoch bis Freitag einen Workshop an der Uni in Helsinki zum Thema "How to connect researcher and companies". Eine Staff Week, die genau mein momentanes berufliches Thema berührt.
Da ich noch so viele Überstunden habe, nutze ich die Zeit und bin schon heute morgen, am Sonntag, nach Helsinki geflogen.
Heute Nachmittag bin ich bei schönstem Sonnenschein durch die Stadt geschlendert. Ganz viel tolle Architektur von 1850 bis heute, und immer wieder Ausblicke aufs Wasser. Die Innenstadt ist auf diversen Felseninseln gebaut, so dass es manches Mal hügelig hoch und runter geht.
Die Reihe der Abendkonzerte beginnt aus gegebenem Anlass mit einem Konzert im Felsendom, bzw. der Temppeliaukion kirkko. Aufgeführt wird die Bach-Kantate "Gottes Zeit" und das Requiem von Gabriel Faure mit dem Cantabile-kuoro unter der Leitung von Dominik Vogt. Zeit zu trauern, um alles was nicht lebensfähig ist.
Die Kirche hat roh behauene Felswände, und dadurch eine besonders gute Akustik. Und der Chor, ebenso wie die Solisten, versteht sein Handwerk. Ich verbringe ruhige anderthalb Stunden mit Zuhörern und ruhig in mir werden.
German Tapas
Mein Patenkind wohnt in Berlin. Und so nutze ich manches Mal die Möglichkeit das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Ich brauche eine Übernachtung in Berlin und bei der Gelegenheit gehe ich mit ihr aus Essen. Sie schlägt ein Restaurant namens "Die Schule" vor, mit junger deutscher Küche. Ich kann mir darunter gar nichts vorstellen, aber German Tapas klingt schräg genug, dass ich zustimme.
Das Restaurant wirkt in seinem Ambiente ziemlich edel, helle Tischläufer mit schon zwei Weingläsern und Butterteller eingedeckt. Doch ein Gang auf die Toiletten entlarvt die Herkunft des Namens. Das Restaurant liegt im Campus einer riesigen Sprachschule mit Cafeteria, Aula, schwarzen Brettern und einem Hostel. Diese symphatische Zweiteilung zieht sich auch durch die Speisekarte. German Tapas erweist sich als Minibuletten, Mini-Currywurst, Kartoffelsalat, Krabbensalat, Reibekuchen mit Apfelmus und was es sonst noch so an berliner und norddeutschen Spezialitäten gibt. Doch der Blick auf die Abendkarte macht sofort klar: wir nehmen das drei-Gänge Menü aus den jeweils drei Wahlmöglichkeiten. Mjam mjam mjam. Als Opener gibt es selbstgebackenes Brot, dazu Estragonbutter, Kräuterquark und Olivern. Da ahne ich schon wie gut das Essen wird.
Zum Gruß aus der Küche, tomatisierten Miesmuscheln provenzalische Art, nehmen wir einen Aperol Spritz als Aperitif. Die Vorspeise besteht aus Ziegenfrischkäse-Bällchen in rotem Pfeffer gewälzt an Mango-Feigen-Chutney. Vier Lebensmittel, die ich einzeln schon gerne mag, die sich in diesem Vierklang verstärken im Aroma.
Der Hauptgang sind Fischbuletten auf Kürbisstreifen und Rosenkohlblättern. Das Gemüse ist auf den Punkt warm und fast noch roh, die Fischbuletten frisch. Besser, schmackhafter kann man das nicht zubereiten. Die Flasche Cabernet Sauvignon, die wir dazu trinken, riecht nicht nur nach den angekündigten Stachelbeeren, sondern schmeckt auch so grün und frisch.
Und der Baileys auf Eis zum Quittendreierlei rundet mit einem doppelten Espresso das Essen ab. Viel Geld gelassen, aber auch lange nicht mehr so gut gegessen.
Das Restaurant wirkt in seinem Ambiente ziemlich edel, helle Tischläufer mit schon zwei Weingläsern und Butterteller eingedeckt. Doch ein Gang auf die Toiletten entlarvt die Herkunft des Namens. Das Restaurant liegt im Campus einer riesigen Sprachschule mit Cafeteria, Aula, schwarzen Brettern und einem Hostel. Diese symphatische Zweiteilung zieht sich auch durch die Speisekarte. German Tapas erweist sich als Minibuletten, Mini-Currywurst, Kartoffelsalat, Krabbensalat, Reibekuchen mit Apfelmus und was es sonst noch so an berliner und norddeutschen Spezialitäten gibt. Doch der Blick auf die Abendkarte macht sofort klar: wir nehmen das drei-Gänge Menü aus den jeweils drei Wahlmöglichkeiten. Mjam mjam mjam. Als Opener gibt es selbstgebackenes Brot, dazu Estragonbutter, Kräuterquark und Olivern. Da ahne ich schon wie gut das Essen wird.
Zum Gruß aus der Küche, tomatisierten Miesmuscheln provenzalische Art, nehmen wir einen Aperol Spritz als Aperitif. Die Vorspeise besteht aus Ziegenfrischkäse-Bällchen in rotem Pfeffer gewälzt an Mango-Feigen-Chutney. Vier Lebensmittel, die ich einzeln schon gerne mag, die sich in diesem Vierklang verstärken im Aroma.
Der Hauptgang sind Fischbuletten auf Kürbisstreifen und Rosenkohlblättern. Das Gemüse ist auf den Punkt warm und fast noch roh, die Fischbuletten frisch. Besser, schmackhafter kann man das nicht zubereiten. Die Flasche Cabernet Sauvignon, die wir dazu trinken, riecht nicht nur nach den angekündigten Stachelbeeren, sondern schmeckt auch so grün und frisch.
Und der Baileys auf Eis zum Quittendreierlei rundet mit einem doppelten Espresso das Essen ab. Viel Geld gelassen, aber auch lange nicht mehr so gut gegessen.
Samstag, 3. November 2018
Geräteabhängigkeit
Seit ein paar Wochen meckert mich mein Handy an. Es will ein Update machen und hat nicht genug Speicherplatz. Gleichzeitig meckert es, ich hätte zuviel Bilder gespeichert und könnte nur noch soundsoviele machen. Letzteres meckert das Handy schon seit Februar, so dass ich ganz diszipliniert immer Bilder überspielt und gelöscht habe. Doch jetzt habe ich die Faxen dicke, und rufe meinen persönlichen IT-Dealer an. Er guckt sich mein Handy an, checkt alles mögliche und empfiehlt mir eine zusätzliche Speicherkarte. Gesagt, getan, er besorgt sie. Und dann - beim Einsetzen streikt das Handy. Mein IT-Dealer wiegt bedenklich den Kopf, es ist kompliziert. Das Ende vom Lied: er nimmt das Handy mit. 18 lange Stunden bin ich ohne Handy. Kein schnell mal eben abklären oder recherchieren, kein Gute Nacht Kuss, kein Morgengruß. Seufz.
Weil der IT-Dealer sowieso da ist, schaut er sich auch nochmal meinen Laptop an. Klar weiss ich, dass er alt ist, dass er anfängt heiss zu werden, wenn ich zuviel Bilderdaten verarbeite bzw. Spiele spiele. Er schaltet sich im Notfall sogar selber ab. Vermutlich würde er das viel öfter machen, wenn ich Serien streamen würde. Da ich aber "nur" Serien lese, braucht das nicht soviel Prozessor-Leistung. Totzdem, wenn es sich leicht beheben lässt, dann sofort machen. Dafür muss ich aber den Laptop abgeben. Zum Glück fahre ich ein paar Tage weg. Aber seltsam ist es schon. Der Laptop ist auch mein Kindl, mein E-Book. Und so sitze ich abends und lese ein echtes, ein Papier-Buch. Fazit: ich bin sowas von abhängig von meinen Geräten in meiner Lebensqualität.
Weil der IT-Dealer sowieso da ist, schaut er sich auch nochmal meinen Laptop an. Klar weiss ich, dass er alt ist, dass er anfängt heiss zu werden, wenn ich zuviel Bilderdaten verarbeite bzw. Spiele spiele. Er schaltet sich im Notfall sogar selber ab. Vermutlich würde er das viel öfter machen, wenn ich Serien streamen würde. Da ich aber "nur" Serien lese, braucht das nicht soviel Prozessor-Leistung. Totzdem, wenn es sich leicht beheben lässt, dann sofort machen. Dafür muss ich aber den Laptop abgeben. Zum Glück fahre ich ein paar Tage weg. Aber seltsam ist es schon. Der Laptop ist auch mein Kindl, mein E-Book. Und so sitze ich abends und lese ein echtes, ein Papier-Buch. Fazit: ich bin sowas von abhängig von meinen Geräten in meiner Lebensqualität.
Freitag, 2. November 2018
Schreibschrift üben
Russische Schreibschrift ist weit weg von russischen Blockbuchstaben und auch weit weg von deutscher Schreibschrift.
Letzte Woche haben wir den ersten Test geschrieben in meinem Russisch-Kurs. Die Arbeitsrealität sagt, ich muss jedes dritte Mal fehlen, weil ich dienstlich einen Termin habe. Trotzdem gebe ich mir Mühe, und bleibe dran.
Russische Blockschrift habe ich geübt, werde langsam sicher im Lesen. Und auch in Vokabeln. Was ich nicht geübt hatte, war Schreibschrift. Mir erschließt sich nicht, wofür ich die brauche. Das interessiert die Russischlehrerin natürlich gar nicht. Und so sind zwei Übungen des Tests komplett zu Schreibschrift. Geschenkt. Ich mache mir erst gar nicht die Mühe, mein Gehirn einzuschalten. Strich und fertig. Ich streiche die Aufgaben einfach durch, diese Punkte kann ich gleich abbuchen. Und habe insofern wenig Hoffnung, den Test bestanden zu haben. Denn mein Selbstbild ist nunmal: ich tue mich schwer mit Sprachen lernen, ich kann das nicht gut. So bin ich überrascht, dass ich mit 1,7 bestanden habe.
Das ist mir Ansporn, mich hinzusetzen und russische Buchstaben zu malen. Repetitio. Es ist halt viel üben und üben und üben.
Ich erkenne jetzt, warum ich in der Schule so schlecht war in Sprachen. In all den anderen Fächern hat es für die zwei minus gereicht im Unterricht aufzupassen. Das ist bei Sprachen anders. Da muss man Vokabeln lernen, Grammatik wiederholen. Doch diese Zeit habe ich mir in der Schulzeit nie genommen. Mit dem Ergebnis, dass ich glaube, ich bin schlecht im Sprachen lernen, Sprachen erschließen sich mir nicht. Pustekuchen. Ich war nur zu beschäftigt mit anderen Sachen und habe nicht gelernt. Jetzt, wo ich versuche täglich wenigstens ein bisschen zu lernen, merke ich, wie sich die Fortschritte einstellen.
Sprachen lernen ist - so gesehen - für mich harte Arbeit. Und nimmt meine kostbarste Ressource in Anspruch: Zeit. Egal. Ich habe ein Ziel. Dafür will ich russisch können. Und so sitze ich und male russische Schreibschrift. Lernen heisst wiederholen. Repetitio. Репетитио.
Sprachen lernen ist - so gesehen - für mich harte Arbeit. Und nimmt meine kostbarste Ressource in Anspruch: Zeit. Egal. Ich habe ein Ziel. Dafür will ich russisch können. Und so sitze ich und male russische Schreibschrift. Lernen heisst wiederholen. Repetitio. Репетитио.
Donnerstag, 1. November 2018
Saisonende
Gestern habe ich den Bauwagen ausgeräumt. Ihn sozusagen winterfest gemacht. Alle Sachen raus, vor allem alle Textilien inklusive der Matratzen und Teppiche. Herr, der Sommer war sehr groß, jetzt lass auf den Fluren die Winde los. So oder ähnlich geht das Rilke-Gedicht. Dieser Sommer war einer von den großen Sommern. Ich habe teilweise draussen geschlafen am Bauwagen, ohne Zelt, einfach so, weil es ging, weil die Erde morgens nicht mal feucht war wie sonst im August. Mich nicht getraut habe, mir auf dem Spiritus-Kocher Kaffee zu kochen, weil es so trocken war, und lieber Wasser getrunken. Nachthimmel, Vollmonde bestaunt. Mich erfreut an Löwenzahn und Pusteblumen, an frisch gemähter Wiese, an aufgehäuftem Heu, an den Apfelblüten und den erntereifen Äpfeln. Am dunkelroten Pfaffenhütchen. Von Frühjahr bis Herbst in der Natur sein, wenigstens an den Wochenenden und manchmal abends. Von Ostern bis Oktober ist Bauwagen-Saison. Und gestern war Saisonende.
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