Samstag, 13. Februar 2021

NavigatorPort

Ein Jahr war ich nicht an Bord der Alexander von Humboldt 2. 



Ein Jahr habe ich keinen Wach- und Kojenplan ausgefüllt, keinen Backschaftsplan vervollständigt. Keine Gangwayliste und keine Getränkeliste generiert. Vor allem aber habe ich das Bordcomputerprogramm namens NavigatorPort ein Jahr lang nicht bedient.


Was sich bitter rächt. Klar weiß ich noch den groben Ablauf. Pässe einsammeln, alle Daten in die Excel-Datei eintragen. Und dann??? Wo ist die Vorlage??? Umwandeln in CrewDataEntry heißt das Zauberwort. Das (alte) Handbuch war heute mein bester Freund. 


Meine Zusatzaufgabe diesen Törn ist das Überarbeiten des Handbuchs, sozusagen erstellen eines neuen Handbuchs. Einarbeiten der Veränderungen im Bordbetrieb, im Beschaffungsvorgang und und und. Vor allem aber will ich eine bessere Beschreibung der Eingabe der Crewliste in NavigatorPort schreiben. Hölle, habe ich heute geflucht. Zwei Stunden lang habe ich alles ausprobiert, war zwischendurch an Deck, um mich abzulenken, habe alles mögliche andere erledigt. Und immer wieder neu ausprobiert, einen anderen Weg gewählt. Bis es endlich geglückt ist. 


Ich bin und bleibe die Königin von NavigatorPort, auch wenn meine Herrschaft heute manchmal gewackelt hat. 


Freitag, 12. Februar 2021

Reiseluxus - Luxusreise

Seit ein paar Jahren segle ich jedes Jahr Mitte Februar auf der Alexander von Humboldt 2. So auch dieses Jahr.  Normalerweise befindet sich das Schiff über Winter auf den Kanaren, also in schön frühlingshaften Gefilden. Doch dieses Jahr mit Corona ist alles anders. Zwar hat die Marine das Schiff ganz zuverlässig als Ersatz für das Segeltraining der Offiziersanwärter auf der Gorch Fock gechartert. Doch ist der Startpunkt Kiel-Marinehafen, Tirpitzmole. Also nichts mit 15-20°C. Angesagt sind Minusgrade. 

Doch allein die Aussicht auf Reisen macht mir gute Laune. In diesen Corona-Zeiten ist jede Reise ein richtiger Luxus, selbst wenn es "nur" Ostsee und Nordsee sind. Auf dem Schiff selbst herrscht kein Luxus. Kleine Kammern, essen in der Messe an langen Tischen, eher auf Jugendherbergsniveau. Definitiv keine Luxusreise im klassischen Sinne, aber ein Luxus reisen zu können. 

Kiel Marinehafen, Tirpitzmole 








Donnerstag, 11. Februar 2021

Sind wir schon wirklich über 30?

Heute Abend habe ich eine Studienfreundin getroffen, an unserem Studienort, in Kiel. Sie wohnt in der Nähe, ich habe ehrenamtlich hier zu tun. Wegen Corona übernachte ich im Hotel und nicht bei ihr im Gästezimmer. Trotzdem wollen wir uns treffen, zusammen Abendessen, uns vor allem mal wieder live begegnen, nicht nur per Videokonferenz oder am Telefon. Nur - es ist Coronazeit, d.h. nichts hat auf. Ihr (wirklich guter) Vorschlag: sie bereitet etwas vor, wir gehen an der Kiellinie spazieren, danach essen wir in meinem Hotelzimmer Couscous und Falafel. 

Gute Pläne haben schon zu nicht Corona-Zeiten die Schwierigkeit, dass sie nicht klappen. Erst kommen wir ganz spät los, dann ist auf der Strecke Schneegestöber, statt geplanter 19 Uhr sind wir erst 20.30 Uhr in Kiel.  Gemütlich über die Kiellinie zu spazieren ist bei minus 9 Grad auch kein Vergnügen. Und dann kommt noch die Corona-Verordnung des Landes Schleswig-Holstein obendrauf. Ich muss unterschreiben, dass ich nur Menschen aus meinem Haushalt mit in mein Hotelzimmer nehmen darf. Bingo. Das wars dann. 

Doch zum Glück bin ich voller Schwung und guter Laune. Wir essen im - noch warmen - Auto köstlichen Couscous-Salat und Falafel, kämpfen mit dem Kronkorken auf der Limoflasche, lachen uns schlapp über alles Mögliche und besonders über unsere Öffnungs-Fehlversuche. Wann haben wir in der Stimmung das letzte Mal im Auto gehockt? Vor allem im Auto gehockt, weil wir sonst nirgendwo hin konnten? Eher zu der Zeit, wo wir unter 20 waren.

Wir fahren zur Kiellinie, laufen bei strammen Nordwind wenigstens ein paar Schritte. Kiellinie ist Studienzeit pur. Bei jedem Wetter. Also die Zeit, wo wir zwischen 20 und 30 waren. Das Original-Couscous-Rezept ist auch aus jener Zeit, Relikt aus einer Jahresreise in die arabische Welt. 

Nur an den Gesprächsthemen  erkenne ich, dass wir doch schon über 50 sind. Halbwüchsige und erwachsene Kinder, berufliche Diskussionen. Beim Haare färben im Hotelzimmer (es ist Corona, alle Friseure haben zu) komme ich mir dann doch wieder wie Studentin vor. 

Man ist immer so alt wie man sich fühlt. Und das ist heute Abend eher 25 als 27.


Dienstag, 9. Februar 2021

Putz-Party

Es gibt Tage, da bin ich dankbar, dass ich Hotelfachfrau gelernt habe. In der Lehre musste ich für sechs Monate als Zimmermädchen arbeiten. Weniger als 30 Minuten hat man für die Reinigung eines Hotelzimmers, dann muss das sauber sein, Bad geputzt, Bett neu bezogen, gestaubsaugt und und und. Am Ende des Tages müssen alle Zimmer entlang des Hotelflurs sauber sein. 

Da eine der Karrieren als Hotelfachfrau Hausdame ist, wurde ich nicht komplett verheizt. Ich habe zusätzlich jede Menge gelernt, über Fleckenentfernung auf Matrazen (ja, knipst das Kopfkino an, Sperma ist Eiweiß, wird also am Besten mit kaltem Wasser entfernt, gilt für Blut genauso) und geeignete Putzmittel für jeden anderen Zweck, hin zu Bestandsplanung für Tischwäsche, Bettwäsche und Badezimmertextilien bis zum Umgang mit schwierigen Gästewünschen und sogar Blumendekoration. Gastgeberin sein umfasst auch im Hotel das ganze Programm von Sauberkeit bis Schönheit.

 

Eine meiner Guilty Pleasures ist neben viel zu viel Tischdecken im Schrank das Recherchieren und Ausprobieren von Haushaltstricks. Glaubt keine*r, aber Guilty Pleasures sind in der Regel ja auch Hidden Pleasures ☺. Denn ich bin nur mittelmässig ordentlich und kann mit einer Menge Dreck leben, bevor es mir zuviel ist. Meine Schmutzschwelle ist relativ hoch, wie alle Leute wissen, die längere Zeit in meinem Leben sind. Als Archäologin geradezu eine Einstellungsvorraussetzung. Aber ich weiß genau, was wie wieder sauber zu kriegen ist, wie man mit welchen Textilien umgehen muss und und und. Ein Wissen, dass mir dieser Tage sehr zu pass kommt.

 

Über ein Jahr hatte ich einen Mitbewohner. Eigentlich sollte er nur neun Monate bleiben, während meines dreimonatigen Sabbaticals auf meinen Kater aufpassen und mit seiner Miete meine Reisekasse aufbessern. Nun, das Geld liegt immer noch auf dem Reisekonto, Flocke brauchte keine Extra-Betreuung, denn ich war wegen Corona natürlich nicht in der Weltgeschichte unterwegs. Dafür hatte ich meinen Mitbewohner an der Backe. Über Abwesende soll man nicht schlecht reden, von daher sage ich mal nur, wir hatten unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt und auch einen unterschiedlichen Umgang mit der Welt. Er hat trotz Kündigung sechs Wochen gebraucht zum Ausziehen. Er hat das Zimmer selbst zwar besenrein hinterlassen, doch mit einem penetranten Alkoholgeruch in Gardinen und jeder Zimmerritze. Das Bad hat er zwar benutzt, aber nicht sauber gemacht. Da ich es ihm unbequem machen wollte, habe ich auch keinen Handschlag mehr gerührt, aus der Küche hatte ich ihn verbannt, nachdem er die Miete nicht bezahlt hat. Nun ist er vor 10 Tagen ausgezogen, und ich hatte ein stinkendes Zimmer und ein wirklich warziges Badezimmer.

 


Da war Putz-Party angesagt. Ich bin wirklich nicht empfindlich, aber mein erster Gang war Gummi-Handschuhe kaufen. Selbst ich habe bei Dreck meine Grenzen. Und bei der Gelegenheit habe ich meinen Vorrat an Putzmitteln auch gleich aufgestockt.





Mitten im Putzwahn:



Jetzt sieht es wieder propper aus. Ich habe wieder ein Gästezimmer, reinlich und schön, Besuch ist wie immer herzlich willkommen und hat jetzt auch wieder einen Raum für sich und muss nicht bei mir im Zimmer auf die Gästematratze auf dem Fußboden. Und in meinem Bad glänzt jede Kachel.

Montag, 8. Februar 2021

Theorie U

Dieses Wintersemester war ich Gasthörerin am M.I.T. in Boston, Massachusetts, USA. Das M.I.T. ist für Ingenieure sowas wie Harvard und Oxford zusammen, hochschulmässig High End. Dort wird schon seit Jahr und Tag online unterrichtet, in einem Format namens MOOC. Massive open online courses. Das Beste daran: diese Kurse kosten kein Geld, sie sind umsonst, solange man kein Zertifikat will. Bildung für alle. Sie kosten halt Zeit. 

Über eine gute Freundin hatte ich von Theorie U gehört, in meiner Ausbildung zur Naturcoach ist es im Curriculum, bei der Soziokratie-Fortbildung wurde darüber geredet. Also habe ich mich frohgemut angemeldet. 

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich habe den Kurs nicht beendet. Von fünf Einheiten habe ich es bis zum Ende der 2. Einheit geschafft. Egal. Zum einen bin ich wild entschlossen, mich nächstes Wintersemester wieder einzuschreiben und weiterzumachen, zum anderen ist die Aufgabe zum Ende der 2. Einheit sich einem Coaching Circle anzuschließen bzw. einen selbst zu gründen. Was mich noch ziemlich beschäftigt. 


Doch ganz von vorne: was ist Theorie U?

Eine Management-Theorie, die versucht, praktische Methoden zu entwickeln, wie bestmögliche Zukunft gestaltet werden kann. Grundannahme ist, dass deine Intention das Ergebnis bestimmt, dass ein offener Geist, ein offenes Herz und ein offener Wille notwendig sind für wirkliche Neuerungen. Nicht Downloaden des Vergangenen,  nicht Fortschreiben des Status Quo, sondern wirklich etwas Neues entwickeln. Das U von Theorie U beschreibt den Verlauf des Prozesses. Und weil sich das gut liest, und mir und vielen anderen eingängig ist, hat Otto Scharmer, der Erfinder von Theorie U, praktische Übungen eingebaut. Damit Theorie U keine Theorie bleibt, sondern angewendet wird. Die erste Übung ist Journaling, angeleitetes meditatives Schreiben würde ich es nennen. Mit dem Effekt einer ziemlichen Selbsterkenntnis, wo man steht, und wo man hin will. Denn erst dann macht es Sinn zu handeln. Da sich das am besten mit Gruppensupport umsetzen lässt, ist die zweite Aufgabe logischerweise einen Coaching Circle zu gründen. Eine Gruppe aus vier bis sechs Menschen, mit denen man in einem strukturierten Prozess auftretende Fragen und Probleme bei der Umsetzung des eigenen Projektes bespricht. Zwischen diesen beiden großen Aufgaben gab es noch kleinere Aufgaben, aktives Hören üben, ein Gespräch mit jemand führen, der nicht der eigenen Blase angehört, Stakeholder-Interviews. Nett, aber für mich nicht die große Herausforderung. 


Ganz anders jedoch der Coaching Circle.

Vom Prinzip her bietet der MIT-U-Lab-Kurs die Möglichkeit, einem Coaching Circle beizutreten.  Und die Kurs-Unterlagen waren da auch recht deutlich. Es macht keinen Sinn, dem Kurs weiter zu folgen, wenn man nicht in einem Coaching Circle arbeitet. Seufz. Zu dem Zeitpunkt war ich schon ungefähr acht Wochen hinter der Gesamtgruppe zurück. Weil ich eigentlich keine Zeit und Lust habe, jede Woche 6-8 h in meiner Freizeit zu lernen und Vorlesungen durchzuarbeiten. Und es war auch irgendwie kein Coaching Circle frei. Deshalb habe ich entschlossen einen eigenen Coaching Circle gegründet. Die eine Freundin gefragt, eine andere Freundin gefragt, eine frühere Kollegin und die Freundin einer Freundin. Jetzt sind wir vier Evas und eine Andreea, treffen uns seit Januar ca. alle drei Wochen per Zoom, und arbeiten nach der vorgegebenen Struktur. Und ich bin hochbeglückt. Verworrene Probleme, so wie sie dauernd auftreten im menschlichen Miteinander auf der Arbeit, finden auf einmal kreative und völlig unvorhergesehe Lösungen. Was ein großes Geschenk. 


Nächstes Wintersemester geht es weiter mit dem U-Lab-Kurs, mal sehen, was dann an spannenden und anregenden Aufgaben gefordert wird.


Freitag, 5. Februar 2021

Gütertausch

Am Mittwoch haben wir zu viert Lichtmess gefeiert. Jede hat ihre Kerze mitgebracht, gemeinsam haben wir eine Meditation zu unserer Vision für 2021 gemacht, den Leitsatz haben wir dann kalligraphisch verewigt. 






Ganz in helle Farben gekleidet haben wir helle Speisen zu uns genommen.  Und was war das für ein reiches Buffet (Bemerkung am Rande, ich habe es recherchiert: Büfett ist genauso richtig laut Duden!).




Sahnehering mit Pellkartoffeln, Weißbrot mit Schafskäse, Ziegenfrischkäse, Brie und Butter auf Chicorée, Rettich, Kohlrabi, Birnenschnitze, zu trinken Weißwein, Coconut frizz (gewöhnungsbedürftig, weil nicht süß), und als Nachtisch Quarkspeise mit hellen Weintrauben und Vanilleeis mit Apfelmus und Eierlikör, aka Schwedenbecher.


Und da kommt der Gütertausch ins Spiel. Der Gefrierschrank war so voll, dass für mein mitgebrachtes Vanilleeis etwas anderes raus musste. Helles Vanilleeis im Tausch gegen dunkelrote Wildschweinleber. Die ein paar Tage später mit Zwiebeln und Äpfeln auch einen hellen Touch bekommt. Guter und gleichwertiger Tausch, wie ich finde. Beides, Schwedenbecher und geschnetztelte Leber Berliner Art, gleich lecker. Ich sollte öfter solche Tausche machen. Das macht dann viel mehr Menschen glücklich. Gemeinsam essen macht sowieso mehr Spaß. 



Mittwoch, 3. Februar 2021

Liebesgrüße aus Schnee

 Komme ich heute nach der Arbeit zum Parkplatz, finde ich auf meinem Autodach:



Und eingeklemmt zwischen Tür und Seitenspiegel:


Da hat wer an mich gedacht. Das wärmt mein Herz, ich freue mich ganz dolle. Danke!



Ähnlichkeiten mit lebenden oder fotografierenden Personen sind natürlich rein zufällig ☺.