Der älteste, nicht ausgeführte Post. Juni 2017.
Der Titel ist das, was mich am meisten zu der Ausstellungseröffnung Freitag Abend letzte Woche hin gezogen hat. Klar, Luther, Reformation, das interessiert mich schon. Zumal ich immer noch die Anfrage für einen Vortrag "Frauen in der Reformation in Stralsund" habe. Doch nach einer stressigen Woche Freitags Abends nochmal vor die Tür, das ist schon eine Überwindung.
Helden sind nicht Einzelne. Das stimmt und das stimmt nicht. Jeder Einzelne muss den Mut aufbringen für eine Tat, die etwas von ihm abfordert, die ihn über seine Grenzen hinaus wachsen lässt, die ihn zu einem Helden macht. Jede einzelne Frau muss den Mut aufbringen, gegen Geschlechterrollen-Stereotype anzuleben, weil sie körperlich rund ist, weil sie Kinder hat und Vollzeit arbeitet, weil sie in einem technischen Beruf arbeitet, weil sie ehrgeizig ist, weil sie Karriere macht. Jede Frau ist eine Heldin, wenn sie diesen alltäglichen Geschlechter-Schwachsinn halbwegs unbeschadet übersteht. Jede Einzelne muss den Mut aufbringen für Taten, die ihr etwas abfordern, die sie über ihre Grenzen hinauswachsen lässt, was sie zu einer Heldin macht.
Und doch ändert sich das Heldenbild. In fast allen Sagen und Märchen, in den Geschichten in den Büchern und im Kino sind es Einzelkämpfer, einzelne Helden und Heldinnen, die herausleuchten, das reicht von Odysseus bis zu Superman und James Bond. Und auch von Bodicäa und Jeanne d'Arc bis Katniss Everdeen. Doch es gibt immer mehr Geschichten, wo Gruppen einen Erfolg ausrichten, wo jeder Einzelne zur Gruppe beiträgt, und nur gemeinsam ein Erfolg errungen wird. Das erste Mal ist mir das so richtig aufgefallen in der Reihe von Veronica Roth, Die Bestimmung Bd. 1-3. Aber auch bei den Avengers ist es deutlich zu sehen. Nur gemeinsam sind sie stark genug.
Und so ist das alte Zitat von Luther aus dem 16. Jahrhundert jetzt endlich in der Realität angekommen.
Helden sind nicht Einzelne, nur gemeinsam schaffen wir, was wir wollen, uns wünschen. Menschen sind auf Kooperation angelegt, nicht auf Konkurrenz.
Posts mit dem Label Ausstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Samstag, 25. Januar 2020
Dienstag, 25. April 2017
Letzte Sitzung alter Vorstand LFR
Es stimmt mich schon wehmütig. Gestern war die letzte
Sitzung des Vorstandes des Landesfrauenrates Mecklenburg-Vorpommern in dieser
Wahlperiode. Nächste Woche ist Delegiertenkonferenz und Neuwahl. Ich trete
nicht wieder an, insofern sind 11 Jahre Vorstand LFR MV nächste Woche
Donnerstag Geschichte. Zwei Jahre als Beisitzerin, neun Jahre als Vorsitzende. 2006-2017.
Was habe ich nicht alles erlebt in dieser Zeit. 11 Delegiertenkonferenzen, 11
Klausurtagungen, unzählige Vorstandssitzungen.
Eine große Feier zum 20jährigen Bestehen, eine wunderschön gestaltete
Verabschiedung der langjährigen Geschäftsführerin, ein sorgfältiger und
gelungener Auswahlprozess für die neue Geschäftsführerin, jede Menge Projekte,
mit jeder Menge Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch Herausforderungen wie
schwierige Konstellationen im Vorstand oder Krisen in den Projekten haben wir
gemeistert. Vor allem haben wir uns entwickelt. Wir als Personen, aber auch wir
als Landesfrauenrat. Was war das anfangs für mich anstrengend, immer in der ersten Reihe sitzen zu müssen. Und umgekehrt, was war das schön, mit den Mädchen auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten eingeladen zu sein. Oder der Termin beim Bundespräsidenten, als Renate das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat.
Was mir auch gefallen hat, war die Bandbreite des frauen- und gleichstellungspolitischen Wissens, das sich mir quasi im Alleingang erschloß: Katja Rodi, die am CEDAW mitgearbeitet hat, Renate Hill, die in der Enquete-Kommission zum Älter werden in MV genauso mitarbeitet wie in der AG Gender und Gesundheit, Ulrike Bartel, meine Stellvertreterin und hoffentlich Nachfolgerin, die Gewalt gegen Frauen als Thema hat, und die Petition an den Landtag durchgezogen hat. Eins meiner Themen, Frauen und Rechtsextremismus, wo wir Andrea Röpke eingeladen haben und zwei Broschüren raus gebracht haben. Die Broschüre und die Ausstellung zu Frauen und Ehrenamt, was ein anderes meiner Themen ist. Es war eine reiche Zeit, sowohl inhaltlich als auch menschlich.
Labels:
Ausstellung,
Frauenbild,
Geschlechterrolle,
Veranstaltung
Donnerstag, 9. Februar 2017
Sandra Bergemann - Fotografie
Aus den Augenwinkeln sehe ich das Plakat. Eine dunkelbraungraue Berglandschaft mit Schnee, die nach hinten im Bild immer heller, immer weißer wird. Magisch angezogen bin ich von dem Bild. Ist das überhaupt ein Foto? Oder ist das gemalt? Auf jeden Fall ist es meisterhaft komponiert. Von der Welt im Innern No.2. Sandra Bergemann heißt die Fotografin, und die angekündigte Ausstellung ist quasi um die Ecke, auf Schloß Wiligrad am Schweriner See. Und sie haut mich um. Gegen das Sehen Tryptichon No. 1 zeigt drei Bilder, ein Tryptichon, aus einem Bergpanorama, ganz in weißgrau getaucht. Auf den ersten Blick ganz logisch, ein Berg, eine Aufnahme, in drei Teile geschnitten. Erst auf den zweiten und dritten Blick sehe ich, dass es drei unterschiedliche Berge sind, erneut meisterhaft komponiert. Das knalleblaue Bild, wo ein Schatten, ein diffuses helles Licht das Fischerboot erkennen lässt, der Mond über dem nächtlichen Meer; genial schöne Bilder. Von der Welt im Innern No. 14 und 15. Man merkt, sie kommt aus Stralsund, sie kennt die Bilder von Caspar David Friedrich, vermutlich kennt sie auch die Bilder von Louis Douzette. Aber vor allem kennt sie und nutzt sie die Möglichkeiten, die ihrem sicheren Auge und der sie umgebenden Natur innewohnen.
Mittwoch, 30. November 2016
Starke Frauen
EisZeiten im Helms-Museum. Na ja. Archäologische Ausstellung
eben. Immerhin nicht nur Vitrinen. Das Stofftier-Mammut in Originalgröße mit
dem Selfie-Point (Julias erstes Selfie!) hat schon was. Aber sonst? Eher
langweilig. Klar, die Funde aus St. Petersburg sind wirklich toll. Sachen, von
denen ich schon im Studium ganz ehrfürchtig gehört habe, jetzt im Original zu
sehen. Dazu Funde, Frauenstatuetten, von denen ich bis dahin nicht wusste, dass
es sie gibt. Bezaubernd. Schwangere Frauen in allen Stadien der Schwangerschaft.
Immer eine Statuette in einer Vitrine. Wenn ich nahe an die Vitrine trete, bebt
die Vitrine, wackelt die Frauenfigur. Hm. In der Gruppe diskutieren wir die
Ausstellungsdidaktik, die Ausstellungstechnik. Die Texte sind o.k., finde ich, aber ehrlich:
da ist noch deutlich Luft nach oben. Das geht besser.
Menschen des Nordlichts
EisZeiten im Völkerkundemuseum Hamburg.Menschen des Nordlichts. Ein großer Raum, 20-30 Vitrinen
bzw. Inszenierungen. Meistens 100-200 Jahre alte Exponate, dazwischen
eingestreut vereinzelt Tafeln, die ins Heutige verweisen.
Was mich begeistert: Die drei schamanischen Masken, die ich
bis dato nur aus der Literatur kenne, endlich mal im Original zu sehen. Zu
studieren, wie sind die Federn angebracht, wie sind die Hölzer miteinander
verbunden. Das schamanische Kostüm in Ruhe von vorne, von hinten von der Seite
zu studieren, die Klapperbleche, die Applikationen, der Schnitt, die
Verzierungen. Alles genau zu betrachten, in mich aufzunehmen.
Was mich amüsiert: Die Eisbärfellhose von 1906 in der
Vitrine, auf dem Foto an anderer Stelle der Ausstellung der gleiche Schnitt,
die gleiche Hose 2009, fotografiert an einem Mann, der dazu das typische
karierte Baumwoll-Holzfällerhemd trägt, das Männlichkeit im kanadischen Outback
konstruiert. Der Damen-Slip aus Rentierhaut, moderner Schnitt, Datierung um 1900. Lederunterwäsche,
bei der mir wieder richtig klar wird, was es heißt in einer Gegend zu leben, in
der keinerlei pflanzliche Kleidungsstoffe verfügbar sind. Eine Unterhose aus Rentierhaut,
das hat schon was.
Was mich besonders berührt: Das Karius- und Baktus-Buch auf
Samisch. Auch Rentiernomadenkinder müssen Zähneputzen lernen. Das Foto der
Tschuktschen-Jungs in der Jaranga, die mit dem Handy daddeln. Das Zelt aufgebaut
wie eh und je, ebenso wie die Kleidung bestehend aus reinem Rentierfell, 1900
wie 2000 B.C., wie vermutlich bereits 19.000 und 20.000 B.P. Das Handy datiert eindeutig
nach 2010 B.C. Samsung Galaxy irgendwas.
Dreieinhalb Stunden haben wir in der Ausstellung verbracht.
Samstag, 26. November 2016
EisZeiten
Doppelausstellung in Hamburg: Die Kunst der Mammutjäger im
Archäologischen Museum Hamburg, Menschen des Nordlichts im Völkerkundemuseum.
Genau mein Ding. Eiszeiten, Steinzeiten waren im größten Teil meines
Archäologiestudiums mein Schwerpunkt. Ich habe sogar zwei Semester (Quartär-)Geologie studiert, um die ganzen
Zusammenhänge zu verstehen. Meine Diplom-Prüfung in meinem Nebenfach Geographie
ging u.a. um Rentierwirtschaft in Norwegen und Russland. Mein tiefes Interesse
ist Schamanismus, sowohl die materielle Kultur als auch die Technik. Meine Diplom-Arbeit habe ich über hölzerne Jagd- und Fischfanggeräte einer steinzeitlichen
sesshaften Meeresjäger-Kultur geschrieben. Und meine Sehnsuchtsgegenden habe
ich ja schon genannt. Ich freue mich auf heute und morgen. Heute
Völkerkundemuseum, morgen Archäologisches Museum.
Freitag, 21. Oktober 2016
Bilder meiner Stadt
Stralsund ist schön. Ich weiß das. Und ich nehme es oft auch wahr. Doch es zu sehen, wirklich zu sehen, ist nochmals ganz anders. Ich war heute kurz in der Ausstellung von Christian Schwab im Klinikum. Fotos von Stralsund aufgezogen auf Leinwand im Keilrahmen. Die klassischen Motive, Nikolaikirche, Skyline, Gorch Fock, Rügenbrücke. Ganz unklassisch im Winter. Im Sturm. Schööön. https://www.stralsund-ansichten.de/. Und das Bild des Radfahrers ist ja wohl ganz grosses Kino.
Abonnieren
Posts (Atom)