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Samstag, 1. Juli 2017

Wittenberg, Luther und Reformation

Tag 1 der Weltkulturerbe-Reise. Je nun, es ist wie erwartet: Stadt- und Schlosskirche stehen unter Weltkulturerbe, dazu Lutherhaus und Melanchthonhaus. Die Kirchen sind halt eben doch relativ normale Kirchen, das Lutherhaus auch nicht anders als andere umgenutzte Klösterreste heutzutage. Das Epochale, Monumentale, dass Reformation hier los gegangen ist, sieht man ihnen halt nicht an. Auch die Luther-Ausstellungen hauen mich nicht vom Hocker. Das Asisi-Panorama ist ganz nett, die Exponate sowohl in der ständigen Ausstellung im Lutherhaus als auch in der nationalen Ausstellung  95 Exponate - 95 Menschen auch. Richtig erreicht mich erst der Ausstellungsteil über die 95 Menschen. Da wird die Brisanz von Luther und seinen Thesen, Forderungen, Taten, seinem Tun in den Folgen und Forderungen für uns Heutige sichtbar, erkennbar.  Wofür stehst du ein, auch gegen Macht und Obrigkeit? Wohin führt protestantische Arbeitsethik? Welches Gottesbild prägt dein spirituelles Leben? Wie hältst du es mit Nächstenfürsorge? Und wie mit körperlicher Zuwendung?  Wie definierst du Kriterien für dein Handeln für dein individuelles Gewissen? Erkennst du noch, wo du in Gott bist? Hammer! Und die Beispiele vertiefen die Fragen. Steve Jobs zu Arbeitsethik, Edward Snowdon zu Überzeugung gegen Obrigkeit, Mary Daly zu Gottesbild. Und wer jetzt nicht weiß, wer Mary Daly ist, gucke sich das bitte hier und hier an. Sie war/ist super umstritten, sagt sehr bedenkenswerte Dinge und gleichzeitig hanebüchenen Quatsch. Ein bißchen wie Luther ...

Montag, 19. Juni 2017

Reisevorbereitungen

Langsam wird es ernst. Am Dienstag, 27.6., starte ich mit vollbeladenem PKW zu meiner Sommer-Tour. Nicht vom NDR, sondern von mir, aber auch mit einem Haufen Konzerten. Was braucht frau in vier Wochen an Klamotten?  Das hängt vom Anlass ab. Beginn der Reise sind zwei Tage Fortbildung zu Macht und Mikropolitik in Hochschulen in Berlin-Mitte. Und der Abschluss ist das Sommerfest der Ehrenamtsstiftung in Schwerin. Sprich schickes Sommerkleid mit Jacke und passenden Schuhen und Handtasche ist Pflicht. Dazwischen Touristin in der Stadt und fünf Tage Folk-Festival, entweder im Regen oder im Staub. Das heißt zusätzlich auch noch Zelt, Schlafsack, Thermomatte, Kocher, Küchenkram und und und. Weltkulturerbe heißt bei mir natürlich auch Literatur und Informationen zu den Denkmälern. Ein Hoch auf moderne Medien. Mein Tablet ist voll mit PDF-Dateien und ich habe nur ein paar Ausdrucke vor allem von Lageplänen. Das Auto wird trotzdem ziemlich voll.
Der dicke Packen der Vorbereitung ist auch gar nicht das Packen selbst. Die Herausforderung ist das drum herum. Wann bin ich wo? Wer fährt wo mit? Bei wem übernachte ich wann? Ich bin ja unter der Woche unterwegs. Die Leute, wo ich zu Besuch bin, müssen arbeiten. Wem bringe ich was mit? Und - die wichtigste Frage von allen: wie gestalte ich die Reise so, dass ich mich nicht überfordere. Jeden Tag in einem anderen Weltkulturerbe UND jede Nacht woanders schlafen ist zuviel für mich, wenn ich alleine unterwegs bin. Das sind dann zuviel Eindrücke und zu wenig Kontinuität. Also bin ich bei den meisten Leuten zwei Tage. Zum Glück ist Deutschland gespickt voll mit Weltkulturerbe, so dass eine Übernachtung zwei Denkmäler abdeckt.
Auf meinen Mitreisende-Aufruf hin haben sich tatsächlich einige liebe Menschen bei mir gemeldet. Die allermeisten Tage kann ich meine Erlebnisse teilen. Was logistisch auch nochmal eine Herausforderung ist. Online-Eintrittskarten buchen geht halt nur, wenn Treffpunkt und Uhrzeit schon vereinbart sind. In die Anna-Amalia-Bibliothek dürfen nur 290 Personen am Tag. Das war knapp mit der Buchung. Und beim Asisi-Panorama in Wittenberg war ich auch bei den letzten 100 frei verfügbaren Karten.
Jetzt sind die Eckdaten alle fest gezurrt. Ich entspanne mich und genieße all die Überraschungen und ungeplanten Erlebnisse. Veränderung ist ein Zeichen von Lebendigkeit. Und gute Planung gibt die notwendige Sicherheit.

Sonntag, 26. März 2017

ROSA Honig und andere Merk- und Denkwürdigkeiten in Berlin

Urbanes Wochenende. Zwei Termine in Berlin und den Rest der Zeit zur freien Verfügung. Mit offenen Augen durch die Stadt. Gleich zu Beginn Streetart der unabsichtlich/absichtlichen Sorte:
Soviel Glück möchte ich auch haben, und bei Pauls Bus muss ich einfach Grinsen:










In meiner Sammlung zum Weltkulturerbe fehlen noch ein paar Denkmäler, also fahre ich zur Siemensstadt, Und finde dort den Knaller: ich habe mich immer gefragt, ob es die Sache mit dem Zielpinkeln ein Gerücht ist. Die Antwort ist damit definitv ein Nein. Es gibt Pissoirs mit Zielvorrichtung!



Die coole neue Werbekampagne von SeiBerlin mit Zitaten zur Freiheit sehe ich leider immer nur aus der fahrenden U-Bahn. Umso mehr freue ich mich über die ständigen Statements zur Freiheit und den Menschenrechten. Meine Ein- und Aussteigehaltestelle ist Bundesplatz, und eines meiner Lieblingslieder ist dort ausgeschildert:


Genauso freue ich mich über die U-Bahn-Haltestelle Westhafen, in der die Menschenrechte aufgeschrieben sind:



Und was ist mit dem rosa Honig? Falsche Frage. Wer ist Rosa Honig? Eine der vielen Deutschen jüdischer Herkunft, die 1942 deportiert wurde. Ich bin über ihren Stolperstein gestolpert.


Donnerstag, 29. Dezember 2016

Fynbos

Meine Kinder haben es über die Jahre gelernt: Botanische Gärten und Parks der jeweiligen Städte und Orte gehören zum Standard-Programm. Burgen, Kirchen, Klöster - geschenkt. Kennst du eine, kennst du alle. Menschenwerk. Kann man sich angucken, muss man aber nicht. Das sieht bei Botanischen Gärten und Parks ganz anders aus. Gestaltete Natur. Sie zeigen die Vielfalt der Erde auf kleinstem Raum. Sonntags abends sind Konzerte im National Botanical Garden Kirstenbosch. Wenn die Kinder also schon dahin müssen, dann mit Musikke. Es spielen die Parlotones, DIE südafrikanische Pop-Band. Die Mädchen machen Picknick, ich wandere mit offenen Augen durch den Garten. Offiziell gehört Kirstenbosch nicht zum Weltnaturerbe Table Mountain National Park. De facto sammelt der Park die einheimischen Pflanzen der Capensis, des Cape Floren-Reiches, und reicht in den höheren Regionen an den Flanken des Osthangs des Tafelberg in den Nationalpark hinein. Die Welt ist botanisch in sechs Florenreiche eingeteilt. Wir wohnen in der Holarktis, von Alaska bis Himalaja. Von Sibirien bis Sahara. Ich sage mal Bäume, Bäume, Bäume. Von Zwergweiden in Sibirien über Nadelbäume zu laubwerfenden und immergrünen Laubbäumen in der Mittelmeerregion. Capensis ist das klitzekleinste Florenreich. Nur die weitere Region um Kapstadt. Fertig. Nicht wirklich Bäume, dafür jede Menge Fynbos. Sieht ziemlich struppig aus, Sträucher, Stauden, dazwischen immer wieder nackter Boden. Je nach Bodenbeschaffenheit, Hanglage, Wasserverfügbarkeit immer anders zusammen gesetzt. In Kirstenbosch sind viele Formen angepflanzt, dargestellt. Auf der Safari habe ich schon Fynbos-Sorten gesehen, Blumen fotografiert. Der Straßenrand hat Fynbos. Die Berghänge, die wir von der Unterkunft und vom Auto aus sehen können: Fynbos, wo das Auge Natur erblickt. Strohblumen, Freesien, Gladiolen, Geranien, Pelargonien, sie alle kommen von hier, aus der Capensis. Hier gibt es mehr Erika-Arten als auf dem ganzen Rest der Welt. Kein Wunder also, das ich völlig ausflippe. Alles was ich in Europa angepflanzt, eingeführt kenne, wächst hier so rum.

Wer kennt Ida Bohattas Blumenkinder? Oder die Flower Fairies von Cicely Mary Barker? Im Buchladen in Stellenbosch habe ich das Buch "Fynbos Fairies" von Antjie Krog und Fiona Moodie gefunden. Liebevolle Gedichte zu Fynbos. Farbenmächtige Bilder verwunschener Fynbos-Pflanzen und Tiere mit ihren Feen. Das macht mein Erleben rund.





Dienstag, 25. Oktober 2016

Deutschlandreise 2017

Sonntag, 20.15 Uhr. Ganz Deutschland guckt den Tatort. Ganz Deutschland? Nein, in einer kleinen Stadt am Sund, nahe der Ostsee, sitze ich am PC und kartiere. Die letzten Jahre bin ich - für meine Verhältnisse - wenig gereist. Das soll sich jetzt ändern. 60 Tage Urlaub (2016 und 2017 zusammen) wollen sinnvoll verbracht werden. Also alle Orte kartiert, wo Menschen sitzen, die ich immer schon mal (wieder) besuchen wollte. Und die noch fehlenden Welterbestätten dazu. Plus diejenigen Welterbestätten, wo der Besuch schon solange her ist, dass ich nur noch schwache Erinnerungen habe. Und die sowieso auf dem Weg liegen. Adieu Hemmenhofen, du liegst definitiv zu weit ab. Und auch Adieu Limes und Saalburg, ihr habt mich im Studium schon nicht besonders interessiert.

Deutschlandreise 2017StepMapDeutschlandreise 2017


Wenn ich die Karte so sehe, wird es wohl eher DeutschlandreiseN 2017 heißen.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Quartett spielen

Meine Freundin Julia hat 25 Europäische Hauptstädte, ich nur 19. Ich habe alle 16 Hauptstädte der Bundesländer, Julia fehlt noch Saarbrücken/Saarland und Magdeburg/Sachsen-Anhalt. Und bei den Welterbestätten steht es 29 zu 25 für mich.
Aber - womit hat ihr Mann Dirk sie getröstet: Julia ist jünger als ich … Life long challenge. Julia ist in Österreich gut dabei mit 8 von 9 Welterbestätten. Da muss ich erst einmal recherchieren, wo ich da stehe.
Und sie hat vorgeschlagen, Reisen mit allen ICE Zügen zu sammeln. Ihr Sohn Harry (11) ist Eisenbahn-Fan, von daher liegt die Liste vor. Wer macht noch mit? Ausgenommen sind alle BC100-BesitzerInnen; die haben einen zu großen Vorsprung. Oder wir führen die Sonderregel ein, dass erst Fahrten ab JETZT gelten.

Samstag, 8. Oktober 2016

Sammelleidenschaft



Irgendwie kann man ja alles mögliche sammeln. Ein Kollege von mir sammelt alles was mit Asterix und Obelix zu tun hat, mein Vater hat Streichholzdöschenetiketten gesammelt. Ich sammle Städte. Und ab sofort Stätten. Meine Sammlung der Hauptstädte der Bundesländer Deutschland habe ich 2011 mit Saarbrücken abgeschlossen. Meine Sammlung der Hauptstädte Europas wächst langsam aber stetig. 19 von 46 habe ich bis jetzt gesehen. Meine Freundin Julia, mit der ich dazu Quartett spiele, ist mir im Augenblick leider um mindestens 2-3 Städte voraus. Doch das Hobby Europas Hautstädte ist aufwendig und teuer, Seit heute habe ich eine Alternative: Ich sammle Welterbestätten. Nein, nicht weltweit, Das sind 1052. Viel zu viele und noch teurer. Ich fange mit Deutschlands Welterbestätten an. 42 sind es, mit Dresden. Und nur 13 habe ich noch nicht gesehen. Viele der Stätten in Bayern und die meisten Industriedenkmale kenne ich nicht. Da kann ich die 30 Tage Urlaub, die ich aus diesem Jahr noch habe, sinnvoll, nutzbringend und wunderschön verbringen. Und anfangen werde ich mit Bauhaus Dessau, Wörlitz und Muskau.