Montag, 18. Juni 2018

Competition 1052

1052 Orte weltweit, die als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurden. Stand 2016. Jedes Jahr kommen neue Orte hinzu, keine Ahnung, wie groß die Zahl heute ist. Schon bei 1052 Weltkulturerbe-Stätten habe ich insofern aufgeben, dass ich nicht glaube, dass ich genug Zeit und Geld in diesem Leben habe, mir die alle anzugucken. Nichts desto trotz nehme ich natürlich jedes Weltkulturerbe mit, das an meinem Weg liegt. Somit gucke ich mir also Nancy in Frankreich an, auf dem Weg in die Champagne, einem anderen Weltkulturerbe in Frankreich.
Je nun, was soll ich sagen. In Nancy steht der Stanislas-Platz aus dem 17. Jahrhundert unter Schutz. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden vorwiegend einzelne Gebäude oder eben Plätze unter Schutz gestellt. Das in Nancy das ganze Ensemble des Platzes für denkmalwürdig erachtet wurde, ist schon ein Schritt in die Richtung der heutigen Praxis einzelne Gebäude ganzer Regionen oder ganze Stadtviertel unter Schutz zu stellen.

17. Jahrhundert heisst Barock/Rokoko, heisst Gold und Schnörkel. Aber auch schon beginnender Klassizismus. Ich kann unter einem akademischen Blick das Besondere des Stanislas-Platzes erkennen, gefallen tut es mir nicht.




Was mir gefällt, ist der Park hinter dem Platz. Die Linden-Allee steht in voller Blüte und duftet himmlisch. Die Blumen-Rabatten und auch die Blumenuhr sind voll im Stil der Zeit des Stanislas-Platzes. Die lebendigen Schnörkel gefallen mir dennoch besser als die Gold-Schnörkel.




Was für eine Hose

Stralsund liegt, wie der Name verrät, am Sund. Dem zufolge haben wir eine Sundpromenade, einen Stadtstrand und eine Badeanstalt. Und manchmal sogar Programm an dieser Location. Meistens ist es Sport, Beachvolleyball, Sundschwimmen, solche Sachen. Am Samstag war das erste Beach Musik Festival in der Bade. Tagsüber aus der Rock it-Musikschule Schülerbands und Workshops. Ab 18 Uhr kommen die "echten" Bands. Da das Gelände direkt am Krankenhaus liegt, ist nämlich um 22 Uhr Schluss mit Krach. Von der ersten Band kriege ich nicht viel mit. Was zu trinken besorgen, Leute begrüßen, quatschen, sich einfinden. Erst bei dem 2. Gig schaue ich genauer hin. Ein Singer/Songwriter-Duo aus Südafrika. Die Musik ist ok zum zappeln. Was mich aber fasziniert, ist die Hose der Sängerin. Einhörner, wohin man guckt. Was für eine Hose.


Richtig vom Hocker reisst mich die letzte Band des Abends. Bare Jams aus Bristol, UK. Sieben Leute auf der Bühne, davon drei Blechbläser und zwei Schlagzeuger/Percussionisten. Reggae bzw. Ska. Gleich beim ersten Lied geht die Post ab und das bleibt auch bis zur Zugabe. Nicht nur wir sondern auch die Jungs aus Bristol sind nach dem Konzert verschwitzt und springen noch für eine Runde in den Sund. Sowas geht nur bei uns.


Um 22 Uhr ist auch Ausschankschluss. Zum Glück kenne ich die Organisatoren. Bierzapfanlage ist aus, Pfandflaschen geben sie nicht mehr raus. Also bekomme ich vier Piccolo Sekt. Wir sitzen dann noch bis 24 Uhr und lassen den Abend langsam ausklingen.

Freitag, 15. Juni 2018

Ernte

25 Jahre Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern. 1993-2018.


Von 2007 bis 2017 war ich im Vorstand, neun Jahre davon Vorsitzende. Ein schönes Gefühl, zu sehen, wie die eigene Arbeit, die eigenen Impulse weiter geführt werden. Wie mein Ziel, eine mächtige politische Lobby-Organisation zu werden, erreicht wurde. Dass die Leitlinien, die ich und mein Vorstand entwickelt haben, Bestand haben. Sogar die Ministerpräsidentin ist zu unserer Feier gekommen.



Ich freue mich, die alten Weggefährtinnen zu treffen. Doch noch mehr freut mich, die Vertreterinnen der Projekte, Vereine, Organisationen zu treffen, die ich geprägt, initiert, gegründet habe. Die Vertreterinnen vom Frauenpolitischen Runden Tisch Stralsund, den ich über 15 Jahre geleitet habe. Die Preisträgerin des Genderpreises Laurence von 2013, die ich vorgeschlagen habe. Die Vorsitzende des Gender-Institutes für angewandte Wissenschaften der Hochschule Stralsund, dass ich 2014 gegründet habe. Handfeste Resultate meiner Arbeit, die mich und mein Engagement überdauern. Reiche Ernte fahre ich heute Abend ein.

Montag, 11. Juni 2018

James Turell

James Turell. Never heard of. In Baden-Baden ist Ausstellungseröffnung im Frieder-Burda-Museum. Ich bin etwas skeptisch, eben weil ich von diesem soo berühmten Künstler noch nie gehört habe. Doch der Untertitel "The Substance of Light" spricht mich an und ich willige ein, mitzugehen. Und bin angenehm überrascht. Nicht von den Arbeiten zum Roden Krater in Arizona. Da denke ich gähn. Haben die Menschen im Neolithikum schon gemacht, Räume, Häuser, Erdhügel gebaut, um den Himmel, das Sonnenlicht an einem bestimmten Tag einzufangen. Richtig gut dagegen gefallen mir die Lichtinstallationen in den leeren Räumen. Das grüne Dreieck in der Ecke will betanzt werden, die Aufseherin guckt etwas schräg, lässt mich aber machen. Und den Mann hinter mir inspiriert es auch, Bewegung in Interaktion mit dem Bild/der Lichtinstallation auszuprobieren.


Die großen Räume mit und ohne Rahmen, die Farbverläufe und -Veränderungen.


Die "Bilder" haben schon was, dass anzieht. Auch das Oval, welches speziell fürs Museum entworfen wurde. Mich erinnert es ja sehr an eine Vulva.


Das schönste Bild jedoch ist nicht von James Turell, sondern von Gerhard Richter. Zusätzlich zur Ausstellung sind passende Bilder aus der eigenen Sammlung des Frieder-Burda-Museums präsentiert. Und so stehe ich glücklich vor einem der kleineren Rakel-Bilder von Gerhard Richter, lasse mich willig in das eigentlich abstrakte Bild ziehen, sehe den See, die Teichrosen, spüre die Dunkelheit mit den letzten Schatten des Tageslichts, vermeine fast die leicht feuchte Luft zu riechen.

Und mache noch ein Bild im passend zum architektonischen Museumsjuwel designten Aufzug im Anklang an Gerhard Richter.


Hat sich also gleich doppelt gelohnt ins Museum zu gehen. James Turell kennen gelernt und Gerhard Richter wieder getroffen.

Samstag, 9. Juni 2018

Bauwagen und Bauwagen

Mein Traum war es schon lange, in einem Bauwagen zu leben. Letztes Jahr habe ich ihn wahr gemacht. Mein Sommerdomizil Bauwagen befindet sich kurz vor'm Nirgendwo an der Ostseeküste. Dabei - dass, was du hast, ist gar kein Bauwagen, musste ich mir sagen lassen. Das ist ein Bau-Container. Jaaa, okay. Es ist ein Bau-Bauwagen. Totzdem hat er die Seele eines klassischen Bauwagens. Mein Bauwagen, mein Refugium zum alleine und ungestört sein.

Es geht auch anders. Heute war ich in einem Bauwagen zu Besuch, der sozusagen ein echter Bauwagen ist. Holzaufbau, rundes Dach. Nur ist er ein Refugium für viele. Gelegen an einem See, inmitten im Nirgendwo zwischen Frankreich und Deutschland.


Aber auch er hat die Seele eines klassischen Bauwagens. Wir haben den ganzen Tag gechillt, gegrillt, geredet, gelacht und es uns gut gehen lassen.


Geplant waren 10 Burger für 5 Leute, gegessen haben wir mit 12 Leuten.

Und die Musik-Lounge hat den ganzen Tag die 80er gespielt.


Freitag, 8. Juni 2018

Eine Zugfahrt, die ist lustig

🎶eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön, ja da kann man was erleben...

Ich fahre ziemlich viel mit der Bahn, von daher sammeln sich die Bonus-Punkte an und werden von mir konsequent in neue Bahnfahrten umgesetzt. Heute ist so eine Fahrt. Rostock - Baden-Baden hin und zurück. Nachdem ich die letzten beiden Wochenenden mit dem Auto unterwegs war und jeweils ziemlich viel und lange im Stau stand, bin ich ganz beglückt, wieder mit "meiner" Bahn zu fahren. Lesen, schreiben, am Handy daddeln, die übliche gemütliche Reise, dachte ich. Dachte ich. In Rostock steht der Bahnsteig voll, proppenvoll mit Kreuzfahrern, die nach Berlin wollen. Dazu die Fahrrad-Urlauber, die an die Müritz oder die Mecklenburgische Seenplatte wollen. Ich finde mit Ach und Krach einen Sitzplatz, doch der Waggon heizt sich schön auf mit den vielen Menschen dicht gepackt. An jedem Bahnhof dauert es länger, bis alle Leute drin sind. Insofern ist mein Anschlusszug in den Süden bereits weg, als ich in Berlin ankomme. Macht aber nichts, das deutsche Bahnnetz ist gut ausgebaut, fahre ich also über Hannover statt über Magdeburg. Es ist sowieso der gleiche ICE, in den ich für die letzten Meter steigen muss. Ob ich in Hannover oder Mannheim zusteige, ist mir schnurz.

Doch dann passiert das gleiche wie beim letzten Mal auf der Fahrt nach Baden-Baden: die Klimaanlage fällt aus, der Zug fährt nur mit halber Kraft und dann gar nicht mehr. Letztes Mal wurde der Zug schon in Hamburg-Harburg still gelegt. Diesmal schaffe ich es wenigstens bis Göttingen. Freitag Nachmittag in Deutschland. Gefühlt ist jeder zweite unterwegs, sei es per Zug oder Auto. 800 Leute finden in einem ICE Sitzplätze. Die und alle ohne Sitzplatz stehen jetzt in Göttingen auf dem Bahnsteig und strömen in die bereits vollen Folge-ICEs. Mit dem Effekt, dass der Zug nach Baden-Baden nicht startet. Nicht starten kann. Der Schaffner macht eine Ansage zu Sicherheit, freien Gängen und Türen. Wir Vielfahrer gucken uns an. Sowas haben wir noch nie gehört. Jeder von uns ist schon oft genug mit diesen übervollen Zügen gefahren, wo es kein Durchkommen gibt. Dann sagt der Schaffner noch, dass er erst losfährt, wenn ein paar Leute den Zug verlassen. Oha. Das ist ein anderer Schnack.
In den neuen ICEs ist ein Gewichtsmesssensor eingebaut. Wenn der Zug überladen ist, kann er nicht losfahren. Immerhin hat er eine funktionierende Klimaanlage.
Somit stehen wir über eine halbe Stunde, bis ein anderer ICE Richtung Süden einläuft, so dass tatsächlich ein paar umsteigen.
Und so komme ich über 60 Minuten später bei meinem Besuch an. Und bekomme nicht mal einen Teil des Fahrpreises zurück, weil ich ja einen Freifahrtschein habe.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Guten Morgen du Schöne

Ich weiß noch genau, wie das Buch aussah: hellgrün, mit einem Rahmen um den Titel: Guten Morgen, du Schöne von Maxi Wander. Um die 20 muss ich damals gewesen sein. Und wenn ich das Buch optisch noch vor mir sehe, muss es mich beeindruckt haben. Doch inhaltlich erinnere ich nichts. Aus Kassandra und Medea von Christa Wolf verfolgen mich bis heute Szenen, doch aus Guten Morgen, du Schöne erinnere ich nichts. Nach dem heutigen Theaterstück Guten Morgen, du Schöne wundert mich das nicht. Weil es nicht um die einzelnen Geschichten der Frauen ging, sondern um die Grundstimmung. Um die Erfahrungen, die man, die ich, auch so hatte. Bzw. die so dicht am eigenen Leben waren, dass es sich befreiend anfühlte, davon zu lesen.

Heute Abend nun im Theater Vorpommern die Aufführung "Guten Morgen, du Schöne". Die Umsetzung des Buches als Monodrama, sprich knapp 50 Minuten (k)ein Monolog, sondern eine Schauspielerin, die durch Gestik, Mimik und Stimme binnen Sekunden zwischen den drei Frauenfiguren wechselt, die sie darstellt. Ich erkenne mich immer wieder, als junge Frau, als junge Mutter, als erwachsene Frau. So weit so gut. Der echte Knaller kommt nach der Pause. "2018". Kein Wunder, dass die Autorin Sabine Michel Grimme-Preisträgerin ist und auch sonst schon einiges an Preisen abgeräumt hat. Maxie Wanders Protokolle weiter gedacht, heute gedacht. Und umgesetzt von einer begnadeten Schauspielerin Claudia Lüftenegger. Vier Frauen, vier (DDR)-Lebensläufe. Mit Manuela Schwesig sogar fünf. Gänsehaut und manches Mal bleibt das Lachen im Halse stecken. Brilliant.