Samstag, 4. Dezember 2021

Reisen in Corona-Zeiten

Bevor es nach Südamerika geht, steht noch ein Trip nach Schottland, nach Edinburgh an. Kind 2 hat sein Auslandsemester dort verbracht und ich fliege zu ihr. Mittwoch hin, Montag zurück. Alleine hin und mit ihr zusammen zurück. Drei Monate sind nämlich schon um. Ich bin neugierig auf ihre WG, ihr WG-Zimmer, die Universität, die Stadt, die Freund*innen, die sie kennengelernt hat.


Vor die Reise hat die Bürokratie und die Europäische Staatengemeinschaft noch einige Hürden gesetzt. Der Brexit hat dafür gesorgt, dass ich nur mit Reisepass einreisen kann, mein Personalausweis gilt nur noch in Kontinentaleuropa. Check, der Reisepass ist gültig bis 2028. 


Dann gibt es da noch dieses kleine Virus namens COVID-19. Von daher will die Einwanderungsbehörde wissen, wo ich mich aufhalten will, und ich muss ein Passenger-Locator-Formular ausfüllen. Immerhin sind wir, aka Deutschland, nicht mehr Red List-Hochrisikogebiet in den Augen der UK-Regierung, so dass ich nicht 10 Tage in Quarantäne muss. Dank der Omikron-Variante muss ich dafür binnen maximal 48 h einen PCR-Test machen, und solange in Quarantäne, bis der Test negativ ist. Da ich für das Locator-Formular die Nummer der angeforderten PCR-Testcharge angeben muss, bestelle ich den Test so frühzeitig, dass er bei meiner Ankunft schon in der Wohnung liegt. Dank Aufpreis soll die Information zu negativ oder positiv nach 12 h per Mail bei mir sein. Zum Glück haben wir am ersten Tag sowieso nichts geplant als gemeinsam abzuhängen und uns von Take-Away-Food zu ernähren.


Denn was haben wir für Pläne für die fünf Tage. Botanischer Garten ist ein Muss, Edinburgh Castle, Leigh, die Yacht Britannia, Arturs Seed auch. Gebucht haben wir nach einigem Hin und Her Eintrittskarten für Christmas at the Botanic Garden und The Taste of Scotland, Whisky-Verkostung mit einem passenden Menu. Jetzt gilt es, den Koffer fürs Handgepäck nur halbvoll zu packen, damit ich auf dem Rückflug genug Platz für etwaige Weihnachtsgeschenke habe.


Freitag, 3. Dezember 2021

Karibik, ich komme

Am 5.1. geht der Flug nach Bogota. Das ist noch nicht Karibik. Die Karibik muss noch etwas warten.


2014 hatte ich Besuch von einer Studentin aus Kolumbien. Vermittelt von einer Freundin vom Naturgut Ophoven hat sie zwei Wochen Praktikum im Institut für Regenerative Energien bei uns gemacht. Und dann gleich die Spring School drangehängt. Abends sind wir um die Häuser gezogen, waren im Blechwerk in der JamSession die letzten Gäste, waren am Strand und und und. Knapp 30 Jahre Altersunterschied, aber ähnlich schön verrückt. Wir sind in Kontakt geblieben, wenn sie in Deutschland war, haben wir uns getroffen. Irgendwann habe ich gesagt, ich mache den Gegenbesuch, ich komme zu dir nach Kolumbien. Gesagt, und nicht getan.

 

2019, weit vor Corona, sind wir als Stammcrew der Alexander von Humboldt 2 gefragt worden, ob wir Zeit und Lust haben, über den Atlantik zu fahren. Jahreswechsel 2021/22 in Kapstadt. Gute Idee, doch der Coronavirus hatte anderes vor. Februar 2020 sind wir in Gran Canaria losgesegelt und 14 Tage später in La Coruna von Bord gegangen. Genau in der Zeit, wo Corona in Europa wirklich ankam. Diesen Februar, also 2021, waren wir auf Ost- und Nordsee unterwegs, weil an Segeln auf den Kanaren nicht zu denken war. Ihr seht schon das Februarthema. Seit 2018 bin ich jedes Jahr im Febuar zwei Wochen auf der Alexander von Humboldt gesegelt. Im Februar habe ich Zeit, da ist in der Hochschule, auf Arbeit, nicht viel los. Dieses Jahr ist die Alex von einer kanadischen High School gechartert, Class Afloat. Und wo segeln die im Februar? Richtig - in der Karibik. Vom 18.1.-7.2. gehe ich also meinem schönen Ehrenamt nach, und arbeite als Purser, als Verwalterin, auf der Alexander von Humboldt. Wir segeln von Barbados nach Samana in der Dominikanischen Republik. Karibik, ich komme.


Wenn ich schon über den großen Teich fliege, dann, ja dann, kann ich auch bei Marisol in Kolumbien vorbeigucken. Mein dreimonatiges Sabbatical 2020 hat Corona mir ja ruiniert, deshalb war ich in diesem Sommer sieben Wochen auf Reisen, und werde also jetzt sechs Wochen in Kolumbien und in der Karibik verbringen. Weitab von meiner Komfortzone Europa.



Nicht nur neue Wörter, neue Handlungen: Storydoing

Einen Jahresrückblog schreiben. dem habe ich zugestimmt. Storydoing heißt, ich erzähle von meinen Schritten, diesen Jahresrückblog zu schreiben. Okaaay. Hausaufgabe ist Hausaufgabe und ich bin ein braves Mädchen. Doch - brave Mädchen kommen in den Himmel und wilde Mädchen kommen über all hin. Ich mache ein zweites Storydoing! Am 5.1. fliege ich für sechs Wochen nach Südamerika. Ich bin schon ziemlich weit in den Vorbereitungen, aber die heiße Phase kommt. 

 

Doch erstmal zurück zum Jahresrückblog. Das nächste Video geguckt.


TAG 2. Sammle 10-12 Themen, die prägend für dein Jahr waren. Und die Tips sind gut. Lektion 4: Gucke in deinen Kalender, und gucke durch deine Bilder, dann kommen die Erinnerungen. Über den Tip, mir meine Postings in Instagramm anzugucken, kann ich nur schmunzeln. Ich habe meinen Instagramm-Account erst frisch angelegt. Und da noch gar nichts gepostet.


Wir sollen uns den Jahresrückblick 2020 von Judith Richter, unserer Online-Lehrerin, anschauen, um einen Eindruck zu bekommen, wo sie uns hinführen will. Ich erfahre viel über sie, inkl. Informationen, die mir nochmal zeigen, dass ich ein hochkarätiges Online-Seminar gebucht habe. Aber ich merke auch, so einen Jahresrückblick will ich nicht lesen. TMI - To much information. Meine Zielgruppe, ihr, hat nicht viel Zeit, schon gar nicht episch 15 Minuten einen Text zu lesen. Kurz und knackig, sage ich, cool und prägnant, sagt Judith Richter. Sie meint aber damit die Zwischenüberschriften, was bei mir die Überschriften der einzelnen Posts sind.


Trotzdem: einen Jahresrückblick schreiben, finde ich eine gute Idee. Alle Erlebnisse vor dem Sommer sind nur noch blass in meiner Erinnerung. Hauptthemen, unterschiedliche Ereignisse zusammenzufassen und zu reflektieren finde ich gut. Es müssen auch noch nicht gleich 10-12 Themen sein. 


Worüber will ich schreiben in meinem Jahresrückblog? Reisen, Schamanismus, Spiritualität, Gender, Gleichstellung, Feminismus. Lektion 5: gar nicht so einfach, ein Konzept zu überlegen, was ich bloggen will. Sonst erzähle ich meistens, was ich erlebe. Einfach das wilde Leben, mein wildes Leben.





Donnerstag, 2. Dezember 2021

Naturcoach - Modul 3

Zweimal habe ich schon über meine Ausbildung zum Naturcoaching geschrieben, bei Modul 1 und auch über Modul 2. Jetzt im Oktober war das 3. Modul. 


Ich vergesse immer wieder, dass das ja eine Ausbildung zur prozessorientierten Naturbegleitung ist, die ich da bei der Evangelischen Bayrischen Landeskirche mache. Und Ausbildung heißt Abschlussprüfung. Zum Glück erst 2023 im Herbst. Dafür müssen wir ein Praxisprojekt dokumentieren, von Planung, über Werbung bis Durchführung und Nachbereitung. 6-12 DIN A4-Seiten sollen es sein. Halleluja. Ich dachte, hinfahren, ein bisschen Selbsterfahrung, viel in der Natur sein, bespaßt werden mit neuem Wissen. Pustekuchen.

 

Modul 3 beinhaltete Spiegeln in der Natur. DIE zentrale Methode bei der Arbeit als Naturcoach. Also üben, üben, üben. Geschichten zuhören, aufmerksam sein, hören mit allen Sinnen, empathisch spiegeln, was ich in der Geschichte dieser Frau, dieses Mannes wichtig finde, zentral finde. Die Essenz herauszufiltern. Gleichzeitig nochmal das System der Vier Schilde nach Steven Foster und Meredith Little rekapitulieren und anwenden. Üben aus verschiedenen Blickwinkeln zu spiegeln, üben, nur in einem Satz zu spiegeln, die Perle in der Geschichte finden.  Was sind meine Stärken und was sind für mich Fallstricke im Spiegeln? Puh. Harte Arbeit.


Und Aufgaben über Aufgaben bis zum nächsten Modul im März, die in der Regionalgruppe bearbeitet werden sollen. Ausbildung eben.

 

Trotzdem – eine wunderschöne Woche. Ein verwunschenes Seminarhaus in einer abgelegenen Gegend, Nebel über dem Hang, Sonnenlicht durch die Bäume, ein Waldweg, der sich als gar nicht so dunkel erweist. Und jeden Abend Schokolade und Rotwein.

















Jahresrückblog

Wahnwitzigerweise habe ich mich für einen Online-Kurs für das Erstellen eines Jahresrückblicks per Blog, also einen Jahresrückblog zu schreiben, angemeldet.


Ich habe gerne solche Schulungen, weil irgendetwas lerne ich doch immer noch dazu. Und online mag ich gerne, weil ich mir aussuchen kann, wann ich die Unterlagen angucke. 


Wahnwitzigerweise, weil ich eigentlich im Moment gar überhaupt keine Zeit habe, und wahnwitzigerweise, weil ich jetzt in einer Gruppe mit 758 anderen Blogger*innen gelandet bin. Könnt ihr euch da die Unmengen an Kommentaren vorstellen? Denn es nicht nur der Online-Kurs im Sinne von Workbook, Schreiben der Blogartikel und natürlich hören der Videovorträge, sondern wenigstens kursorisch gucken, was die anderen schreiben.


Heute ist Tag 2 des Kurses, und ich bin schon am Schleudern.


TAG 0.1: Richte dir eine Website mit deinem Namen ein. Darunter kannst du alle deine Aktivitäten bündeln, egal was dein Produkt ist. Lektion 1: ich bin gelandet zwischen lauter Menschen, die mit ihrem Blog, ihrer Website, aber auch mit ihrem Auftritt bei Facebook und Instagram Geld verdienen wollen. 


Ich schreibe meinen Blog eher für mich, weil ich soviel erlebe. Daran will ich meine Leute, euch, teilhaben lassen. Ich will kein Geld verdienen mit meinem Blog. Aber die Idee einer eigenen Website prickelt mich an. Die Ausbildung zum Naturcoaching geht jetzt bald ins dritte Jahr, und langfristig will ich das als mein freiberufliches Standbein ausbauen. LEKTION 2: ich will eine eigene Website für mein Naturcoaching-Business. Visitenkarten habe ich schon entwickelt, nächste Woche sind sie fertig. 


TAG 0.2:  (Fast) Täglich posten, #jahresrückblog21 bei Instagram abonnieren um die Reichweite zu erhöhen. Um zu kommentieren und sich mitzuteilen. Weil täglich bloggen ein Posting bei Instagram bedeutet, nicht täglich einen Blogartikel. 

 

Will ich das? Lauter fremde Leute, ganz viel Zeit für sowas verwenden? Was will ich mit einer großen Reichweite? Ich probier es aus, aber dann brauche ich einen Instagramaccount. Beziehungen aufbauen über Instagram, damit mein Blog gelesen wird? Oh Mann, das ist ein Sumpf. Erst recht in Bezug auf das, was ich schreibe, schreiben will, zeige. Lektion 3: Ich brauche einen öffentlichen Instagram-Business-Account, finde ich. Gesagt, getan.


TAG 1.1.: Mach einen Vertrag mit dir selbst, dass du am 20.12. deinen Jahresrückblog veröffentlichst. Im Workbook hat Judith Peters aka Sympatexter richtig ein Schriftstück aufgesetzt, dass mensch unterschreiben kann. Das lässt mich lächeln. Zum einen kenne ich die Wirkung von solchen Verträgen, also sehr gute Idee. Zum anderen ist schreiben und posten normalerweise nicht so mein Problem. Insofern schenke ich mir den Vertrag, und schreibe diesen Blogartikel. 


TAG 1.2. Instagram, Instagram, Instagram, ein bisschen Facebook. Dazu Linkdln. Je nachdem, was gut für uns läuft.  Naja. Mal gucken. Auf jeden Fall lerne ich neue Wörter am laufenden Band. Grid, Reel, Storydoing. Spannend.


TAG 1.3. Accountability-Posting. Auch so ein neues Wort. Heißt nur, dass ich auf Instagram verkünde, was ich vorhabe. Nämlich einen Jahresrückblog zu schreiben.

Ich seh schon, ich lerne mehr über Instagram als über Blogs. 


TAG 2. Wie gesagt, ich bin am Schleudern. Noch habe ich mir das Video nicht angeguckt. 


Mittwoch, 1. Dezember 2021

Adventskalender (plural)

Wir leben in einem reichen Land. Woran ich das merke? An der Vielzahl der Adventskalender, die ich geschenkt bekommen habe und an den vielen virtuellen Adventskalendern in meinem Umfeld. Zeit zu haben, einen virtuellen, kostenlosen Adventskalender zu erstellen, ist auch Reichtum. 


Welche Adventkalender ich habe? Von meinen Mädels wieder einen mit einem supertollen Bild, so klasse wie der von letztem Jahr.  Auf der Arbeit gab es erneut den süßen Adventskalender mit Schokokugeln, und den wundervollen virtuellen interaktiven Adventskalender

 

Doch dieses Jahr den Vogel abgeschossen hat meine Kollegin aus dem Landkreis. Sie hat mir "24 Geschichten von fabelhaften Frauen. Ein Adventsbuch zum Aufschneiden" geschenkt. Mit supercoolen Sprüchen und die Seiten richtig zum Aufschneiden, damit man (oder frau) nicht vorher reinluschern kann. 

 


Auch der Andere Advent-Advents-Kalender hat dieses Jahr wieder tiefgründige Texte und Sprüche. Woher ich das weiß? Zum einen fängt er am Samstag vor dem 1. Advent an, also dieses Jahr am 27.11. und nicht erst am 1.12. wie normale Adventskalender. D.h. ich habe schon fünf Kalenderblätter aufgeblättert. Zum anderen - ich habe ihn schon komplett durchgegeguckt. Das wäre vielleicht auch mal eine Maßnahme, den irgendwie abzusichern, dass ich nicht schon am Freitag vor dem 1. Advent alles gelesen habe.


Einen Adventskalender habe ich selbst gekauft, den Leo Club Adventskalender Stralsund. Doch auch dabei sehe ich den Reichtum unserer Region: gleich vier gesponserte Gewinnchancen sind heute hinter dem 1. Türchen (Und nein, heute habe ich nicht gewonnen 😀).

 

Und wie reich ich selber bin, merke ich an den beiden Adventskalendern, die ich (mit)verschenkt habe. Beide Kinder haben einen selbstgebastelten Adventskalender mit liebevoll verpackten Geschenklis bekommen, beginnend am Samstag vor dem 1. Advent. 48 Kleinigkeiten, dazu eine Rolle Geschenkpapier verbraucht, das geht schon ins Geld. 

 

Ich bin reich, reich an Geld, reich an Zeit, reich an Glück, nette Menschen zu haben, die mir Adventskalender schenken, denen ich Adventskalender schenke. Und dafür bin ich sehr sehr dankbar.




Mittwoch, 10. November 2021

Schreibhemmung

Warum mag ich nicht Blog schreiben, habe ich mich gefragt. An der Oberfläche ist die Antwort einfach: ich habe ziemlich viel um die Ohren. Alle wollen ihre Veranstaltungen nachholen, ich habe schon die Hälfte der notwendigen Überstunden für die Zeit zwischen den Jahren zusammen. Dabei gehe ich beileibe nicht zu jeder Einladung. Und erlebe genug, was ich in kleinen, prägnanten Posts schnell schreiben könnte. 


Zweite Oberflächenantwort: ich muss noch die ganzen Erlebnisse des Sommers, der vielen Reisen, der vielen Selbsterfahrungen verarbeiten. Was bei genauer Betrachtung Quatsch ist. Die Posts zu schreiben, würde mir helfen, zu verarbeiten. 


Selbst die Aussage "Der Stau an noch zu schreibenden Posts hemmt mich" stimmt nicht wirklich.  Normalerweise arbeite ich mich Stück um Stück durch die Altlasten. 



Was hat dann dazu geführt, dass ich nicht mehr bloggen mag? Da muss noch etwas anderes darunter liegen. 


Das hat schon mit Erlebnissen in diesem Sommer zu tun. Ich bin mehrfach mit Menschen kollidiert, die mir einen double bind bezüglich meiner Bloginhalte aufgedrückt habe. Mach Werbung für uns, aber nenne keine Details; rede über uns, aber nicht so, dass uns einer die Ergebnisse klaut; zeige kein Bild, dass Rückschlüsse ermöglicht. Für mich: wasch mich, aber mach mich nicht nass. Die Ambivalenz der Leute, was in die Öffentlichkeit darf, und was nicht, ist für mich nicht durchschaubar. Da sind rechtliche Regelungen wie Urheberrecht, Bildrechte, Persönlichkeitsrechte noch gar nicht berücksichtigt. Da sind mir die Regeln ziemlich klar. 


Insofern muss ich mir überlegen, wie gehe ich damit um. Schreibe ich das, was ich für richtig halte, was im Rahmen des rechtlich Erlaubten liegt? Auch um den Preis, dass ich Leute verärgere? Differenziere ich, welche Leute ich verärgere? Lass ich es darauf ankommen? Ihr merkt, einfach so schreiben ist gerade nicht drin.


Ich muss erst für mich eine Lösung finden, wie ich damit umgehe.