Dienstag, 4. Juli 2017

Frauengeschichte(n)



Tag 4 Frauengeschichte. Überall begegnet mir auf dieser Reise Frauengeschichte. Ob ich nun aufmerksamer darauf achte oder es eben doch selbstverständlicher geworden ist, keine Ahnung. Fakt ist, ich übernachte in einem aktiven Zisterzienserinnen-Kloster, das aus den Ruinen des alten Klosters aufgebaut wird. Wird! Kloster Helfta ist erkennbar noch mit alten baufälligen Gebäuden „gesegnet“. Im Mittelalter war es eines der ganz großen Frauenklöster Deutschlands, mit gleich drei berühmten Mystikerinnen. Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Hackeborn. Die Texte, die von den Dreien hier ausliegen, sprechen mir aus dem Herzen.

In Wittenberg ist es Katharina von Bora, die präsent ist im Lutherhaus. Im Assisi-Panorama Wittenberg 1517 gibt es ein Hurenhaus und eine Predigerin/Schriftauslegerin. Beides wird gut erklärt. Das Hurenhaus als sinnvolle und relativ geachtete Institution für die unverheirateten Männer der Stadt, und die Predigerin als erstmalige Möglichkeit für Frauen, selbst die Schrift öffentlich auszulegen. Luther war Feminist. In seiner ersten Kirch- und Schulordnung hat er schon festgelegt, dass allgemeine Schulbildung für Mädchen genauso wie für Jungen zu gelten hat. Und sein Testament hat er gegen jede damals gültige Rechtslage abgefasst, weil er Frau Käthe nicht nur als Alleinerbin eingesetzt hat, sondern auch darauf bestanden hat, dass sie keinen Vormund kriegt, sondern alleine rechtsgültig handeln kann. Dafür musste sogar sein Kurfürst einspringen, weil das sonst nicht durch gegangen wäre. Respekt. Insofern ist die predigende Frau auf dem Panorama-Bild nur logisch. Mich freut besonders eine Szene im Vordergrund. Zwei Männer stehen um einen Globus (noch ohne Amerika, wenn es um fremde Länder ging, war Luther nicht so up to date); ein Mädchen steht dort mit dabei und hört aufmerksam zu. Da geht mir Reiseweib das Herz auf. So habe ich auch angefangen mit meiner Reiselust. Mit dem Finger auf der Landkarte ferne Länder entdecken.

Jede Menge neue, mir unbekannte Frauengeschichte habe ich auch gefunden in Wittenberg. Olga Gebauer, Agnes von Mansfeld, Olympia Morata,Amalie Behm, Katharina Staritz, Christine Bourbeck

Und ein Schild zum Andenken an den Generalstreik der Frauen in Wittenberg 1987. Lysistrata? Nein - Kunst und Fake News.
Es gibt nämlich auf den 100 in der Stadt hängenden Tafeln nur vier von Frauen. Diesen Streik hat es nie gegeben. Er ist Teil der Ausstellung "Luther und die Avantgarde".


 Olga Gebauer war Hebamme, deren Anliegen die berufsständische Vertretung von Hebammen war.

Agnes von Mansfeld, evangelische Kanonissin in (Düsseldorf)-Gerresheim liebte und wurde geliebt zur Reformations-Zeit vom katholischen Erzbischof von Köln, Gebhard Truchseß, der daraufhin zur Reformation übertrat und sie heiratete. Was ziemliche Verwicklungen gab. Ansonsten findet sich wenig zu den Frauen der Reformatoren.


Amalie Behm
Katharina Staritz























Auch einige der Frauen des Bauhauses werden auf einmal plastisch für mich. Marianne Brandt zum Beispiel, die Lampen-Designerin. Die Bauhäusler hatten zwei Verkaufsschlager: Tapeten und Lampen. Gerade die Tapeten kann ich mir gut vorstellen. Die passten zu den dunklen Möbeln bzw. zum Gelsenkirchner Barock, was damals Mode war. Die Lampen waren ganz häufig von Marianne Brandt. Überall am Bauhaus findet man ihre Entwürfe, genauso in den Meisterhäusern. In der Dauerausstellung liegt eine ziemlich kritische Collage von ihr zum Frau-Sein am Bauhaus. Wie überhaupt in der ständigen Ausstellung die Frauen thematisiert werden. Die erste Tischlerin am Bauhaus, die Weberei mit der Werkmeisterin Gertrud Stölzl. Wunderschöne Textilien sind in der Ausstellung zu sehen. Die vielen Schülerinnen, deren Seminarunterlagen ich in der Ausstellung bewundere. Farbkarten, Dokumentation der Färbeversuche. Es erinnert mich so an meine Experimente mit Selber färben aus Pflanzen. Sowas liegt bei mir zuhause auch.
Was mich besonders freut: hier in Kloster Helfta ist ein lebendiges Labyrinth von den Frauen der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands angelegt worden. Nicht so, wie ich sie aus Gotland kenne, nur mit Steinen markiert im Gras. Sondern bepflanzt mit Rosen, Lavendel, Frauenmantel und vielen anderen Blumen. In der Mitte ist eine begrünte Kuppel aus Hainbuchen zum Verweilen. Gelebte Frauengeschichte, Rückverbindung - Religio.

Montag, 3. Juli 2017

Gartenreich Dessau-Wörlitz



Tag 3 Gartenreich Dessau-Wörlitz. Vielleicht hätte ich ja misstrauisch werden können. Dessau-Wörlitz. Aber mir war sonnenklar, Wörlitz ist demnach ein Ortsteil von Dessau. Auch die 20 km Entfernung, die mir der Routenplaner bei meiner Reiseplanung angab, haben mich nicht stutzig werden lassen. Die Informationen im Netz wiesen auf einen großen Park mit Seen und einem Schloss. Erst als ich in Dessau war, und die Führerin für die Meisterhäuser uns auf das ruinöse Säulentor hinwies, und einfließen ließ, dass dort das Gartenreich beginnt, ja, da fing es an mir zu schwanen. Fakt ist, das Gartenreich Dessau-Wörlitz besteht aus sieben Teilen, plus dem Biosphärenreservat Mittelelbe, in dessen südöstlichsten Teil sie einfach drin liegen. Das hat meinen Zeitplan ziemlich zerscheppert.
Von jenem Georgium in Dessau habe ich mir nur das Säulentor und die Orangerie angeguckt. Wobei ich ja, wie so oft, echt nicht wusste, ist der unrestaurierte Zustand gewollt und soll so bleiben, oder liegt es an mangelndem Geld oder so was.
Säulentor des Georgium

Schauruine im Park Luisium

echte Ruine am Strassenrand

Intensiv habe ich mir das Luisium angeguckt, wunderbares, kleines, klassizistisches Sommerhaus der Fürstin Louise Henriette Wilhelmine, mit großem Park und schönen Anlagen, Bachläufen und Brücken.
Einfach schnuckelig. Die Führung war ein wenig deprimierend. Zum einen mag ich den Einrichtungsstil nicht so besonders, dazu die ewige Belehrung (Bilder weiblicher Tugenden im großen Festsaal, Büsten klassischer Schriftsteller im Foyer, Bilder antiker Sagen und italienischer wie englischer Grand Tour-Orte im Wartezimmer). Zum anderen war die Lebensgeschichte von Fürstin Louise nicht eine der schönen. Ihr Typ hatte immer neben her eine Mistress. Mit Kindern. Wo sie den einen Sohn mit aufziehen musste, bevor sie selbst einen Thronfolger produziert hatte. Lebensrealität von adeligen Frauen um 1800. Da haben die Regency-Romane noch mal einen ganz anderen Touch und auch Anker in der Realität. Aber immerhin, befreundet mit Angelika Kauffmann, und auch von ihr gemalt. Wie überhaupt die Freundinnen der Fürstin interessante Persönlichkeiten gewesen zu sein scheinen. Sie somit also auch. Freundinnen werden damals wie heute ähnliche Einstellungen und Interessen gehabt haben. Nach einem Kaffee im Café Luise, was optisch farblich an das Empfangszimmer der Fürstin im Luisium angelehnt ist, bin ich dann weitergefahren.
Beim Kauf der Eintrittskarte für die Führung konnte ich wählen, 7,50 € nur fürs Luisium oder 15,00 € für drei von fünf Schlössern, gültig bis Ende September. Klare Sache: die für mehr Schlösser.
Ähhh. Als ich aus dem Schloss und dem Park raus war, ging es stark Richtung 15 Uhr. Hunger (Katerfrühstück um halb zehn), müde (die vorherige viel zu kurze Nacht im Studentenwohnheim vom Bauhaus noch in den Knochen), kalt (Sommerschloss hin oder her, dicke Mauern machen kühle Räume).
Trotzdem: auf nach Wörlitz. Konsequenterweise habe ich mir wie geplant in Wörlitz den Park angeguckt, von vorne, von hinten, Seilfähre von Insel zu Insel (Sportbootführerschein See: seilfahrende Fähren haben Vorfahrt. Logo ☺).
Mit der Fährschifferin komme ich ins Gespräch, Donnerstag, also vor drei Tagen ist der Sturm durch den Park gefegt. Und manche Bäume sind einfach alt, andere krank. So bestaune ich das Baumwurftellerloch einer Säulenpappel. Zypressen waren damals zwar modern, wachsen aber nun mal nicht in unserem Klima.Die Säulenpappeln geben daher wenigstens den gewünschten optischen Wuchs her. Um die gemischtblättrige Eiche trauere ich.
Die sind so selten. Und es wird ewig dauern, bis so eine große Eiche dort an der See-Ecke wieder einen markanten Blickfang bildet. Das Elysium, die Muschelsucherin, an jeder Ecke entdecke ich was Neues. Wäre der Park ein Wanderweg, hätte er die Premium-Auszeichnung wegen Abwechslung, Anregung der Sinne, leichte Begehbarkeit.
Gondel fahren habe ich mir geklemmt. Nicht wegen der Zeit, sondern wegen dem Wetterumschwung. Sobald ich im Auto saß, fing es an zu regnen. Das Schloss muss warten. Denn eins ist klar. Wörlitz, ich komme wieder.
Impressionen aus dem Park







Sonntag, 2. Juli 2017

Form follows function

Tag 2 im Weltkulturerbe.  Übernachten im Atelierhaus am Bauhaus. Mit gebuchter Führung zu den Meisterhäusern (lies: Dienstwohnung der Professoren) und durchs Bauhaus-Gebäude selbst (lies: Uni-Hauptgebäude). Wir sind im ehemaligen Studenten-Wohnheim. Ziemlich spartanisch, dafür ganz hell. Laut Führung das erste Studentenwohnheim Deutschlands. Und dann gleich gemischtgeschlechtlich. Wir sind auf der ehemaligen Frauenetage. Ohne die beiden Führungen zu den Meister-Häusern und durchs Bauhaus-Haus selbst wäre mir die Geschichte und die Geschichten gar nicht so plastisch.  Gropius war genau die Sorte Prof. wo du als Uni nicht weißt, ob du ihn fürchten sollst oder dich freuen. Er hatte sein Architekturbüro im obersten Stockwerk des Hauses eingemietet ..., vieles im Bauhaus beruht auf Entwürfen der Studierenden, freizügig übernommen ..., die Mieter in den Meisterhäusern, die anderen Profs. durften zwar sich einrichten, wie sie wollten, aber kein Foto davon veröffentlichen, wenn es keine Bauhaus Möbel waren. Und an den Wänden gab es zwar professionelle Bilderleisten doch es durften nur die Bilder der Bewohner aufgehängt werden. Ziemlich PR-affin, der Knabe. Und form follows function auch nur wenn es gut aussah.
Die Fahrrad-Garage ist super unfunktional, viel zu niedrig, um die Räder gut rein und raus zu kriegen. Aber ansonsten wäre die herauskragende Hausecke nicht so schön zur Geltung gekommen ...  Bonmot am Rande:  zu Bauhaus Zeiten haben sich die Design Klassiker eher wenig bis überhaupt nicht verkauft. So teuer wie heute noch (also heillos überteuert) und Null dem Zeitgeschmack entsprechend.

Samstag, 1. Juli 2017

Wittenberg, Luther und Reformation

Tag 1 der Weltkulturerbe-Reise. Je nun, es ist wie erwartet: Stadt- und Schlosskirche stehen unter Weltkulturerbe, dazu Lutherhaus und Melanchthonhaus. Die Kirchen sind halt eben doch relativ normale Kirchen, das Lutherhaus auch nicht anders als andere umgenutzte Klösterreste heutzutage. Das Epochale, Monumentale, dass Reformation hier los gegangen ist, sieht man ihnen halt nicht an. Auch die Luther-Ausstellungen hauen mich nicht vom Hocker. Das Asisi-Panorama ist ganz nett, die Exponate sowohl in der ständigen Ausstellung im Lutherhaus als auch in der nationalen Ausstellung  95 Exponate - 95 Menschen auch. Richtig erreicht mich erst der Ausstellungsteil über die 95 Menschen. Da wird die Brisanz von Luther und seinen Thesen, Forderungen, Taten, seinem Tun in den Folgen und Forderungen für uns Heutige sichtbar, erkennbar.  Wofür stehst du ein, auch gegen Macht und Obrigkeit? Wohin führt protestantische Arbeitsethik? Welches Gottesbild prägt dein spirituelles Leben? Wie hältst du es mit Nächstenfürsorge? Und wie mit körperlicher Zuwendung?  Wie definierst du Kriterien für dein Handeln für dein individuelles Gewissen? Erkennst du noch, wo du in Gott bist? Hammer! Und die Beispiele vertiefen die Fragen. Steve Jobs zu Arbeitsethik, Edward Snowdon zu Überzeugung gegen Obrigkeit, Mary Daly zu Gottesbild. Und wer jetzt nicht weiß, wer Mary Daly ist, gucke sich das bitte hier und hier an. Sie war/ist super umstritten, sagt sehr bedenkenswerte Dinge und gleichzeitig hanebüchenen Quatsch. Ein bißchen wie Luther ...

Mikropolitk, Macht (und Frauen)



Ich sitze im Hotel Alte Canzley in Wittenberg. Eigentlich fängt jetzt, heute, hat schon längst angefangen, meine Weltkulturerbereise. Ich merke aber, ich muss meine Gedanken sortieren, meine Gedanken klären, meine Gedanken leeren von dem ganzen Input aus der Fortbildung vorgestern und gestern zum Thema Macht und Mikropolitik in Hochschulen. Außerdem schüttet es draußen. Es ist schon meine zweite Fortbildung zu dem Thema. 2011 haben wir uns im Projekt KarriereWege zwei Referentinnen unter dem Aspekt Frauen und Macht eingeladen, was sich dann als Schulung in Mikropolitik entpuppte. Und sich als ziemlich ergiebig erwies für meine eigene Entwicklung, für meinen eigenen Umgang mit Macht. Das Problem, mit dem ich mich immer wieder konfrontiert sehe, ist die negative Bedeutung von Macht, bzw. die völlige Überhöhung von Macht. Ich kann mich davon nicht freisprechen. Ich bin eine Macherin. Macht kommt von machen. Trotzdem fällt es mir schwer, mich als mächtige Frau zu begreifen. Als kompetent ja, vielleicht sogar als einflussreich. Aber als mächtig? Mächtig sind doch immer die anderen, die da oben.
Die meisten Leute kennen die Definition von Weber (1921): „Macht bedeutet jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ Gruselig. Da kriege ich sofort Hörnchen. Macht bedeutet demnach (so kommt es bei mir an) andere zu überrennen, übertölpeln, zu dominieren, anderer Leute Meinungen und Rechte auszuhebeln um des eigenen Vorteiles Willen. So eine Macht will ich nicht. Punkt. Ich will Gleichberechtigung, gleiche Chancen und Möglichkeiten, Raum für Ausloten und Ausbalancieren unterschiedlicher Wünsche, Bedürfnisse, Ansprüche. Dafür setze ich meine Macht ein. Hier setzt nämlich mikropolitisches Handeln ein und an. Mikropolitik bedeutet, ich nutze die Ermessensspielräume, die Handlungsspielräume, die ich habe, um Dinge zu erreichen die mir wichtig sind. Dass mein Kind auf meinen Wunsch/Befehl hin eine Regenjacke anzieht auf dem Weg zur Schule und dann entscheidet es will lieber diese oder jene Jacke oder gar den Regenschirm, ist eben genauso/mikropolitisches Handeln (und Machtausübung), wie die Diskussion um das Abstimmungsverhalten bei der Ehe für alle oder das Gerangel um den Abstimmungszeitpunkt oder die Möglichkeit überhaupt zur Abstimmung. Also: mikropolitisches Handeln findet immer da statt, wo es unterschiedliche Meinungen und Ansichten gibt, und eine Entscheidung getroffen werden muss. Und sei es nur die Entscheidung, vorerst keine Entscheidung zu treffen.
Jeder und jede hat eine Einflussmöglichkeit größer Null. Und sei es nur, dass ich mich verweigere, Veränderungen herauszögere, blockiere. In einem demokratischen Gemeinwesen, wie in Deutschland sogar deutlich größer Null. Wie ich meinen Einfluss nutze, ob positiv für etwas, oder negativ gegen etwas, das entscheide ich selbst. Und auch welche Taktiken ich für meine Einflussmöglichkeit nutze, liegt an mir. Ich kann schmeicheln, kann manipulieren, ich kann drohen (bis hin zu erpressen), ich kann bestechen oder auch nur positive finanzielle Anreize schaffen, ich kann Allianzen bilden, mich einer Gruppe anschließen. Alles möglich, und vieles sehr legitim. Aber eben nicht alles.
Insgesamt gibt es neun verschiedene Grundtypen mikropolitischer Einflusstaktiken. Männlein und Weiblein unterscheiden sich da mal wieder statistisch in ihren bevorzugten Methoden. Männer setzen am häufigsten offenen Druck und Einschüchtern/Ausspielen von Autorität ein, kein Wunder, dass Macht also so einen schlechten Ruf hat. Frauen sind nur marginal besser: Sie suchen sich Peer Kontakte, offener Druck liegt bei ihnen „nur“ auf Platz 2. Am erfolgreichsten sind übrigens die Taktiken Rationale Überzeugung, Inspirierende Appelle und Konsultation/Partizipation.
Insofern habe ich bei dem Seminar keine großen Erwartungen an eine steile Lernkurve gehabt. Doch dann war es so informativ und umfassend, dass ich beide Abende ziemlich platt war. Am Beispiel Organisation Hochschule und Position/Rolle Gleichstellungsbeauftragte sieht das weite Feld der Mikropolitik auf einmal sehr sehr komplex aus. Sorgfältig mit der mir zugegebenen Macht umgehen, meine eigene Macht ethisch korrekt einsetzen, vor Verantwortung und Entscheidungen nicht zurück schrecken, Allianzen, mikropolitische Beziehungen über verschiedene Ebenen aufzubauen, aufrecht zu erhalten, meine gleichstellungspolitischen Ziele verfolgen, die zugehörigen Entscheidungsfreiräume erkennen, Praktiken der Inszenierung von Macht erkennen und verstehen. Mein Fazit: Mikropolitik ist kleinteilig und vielfältig. Aber eines ist sicher: Wenn ich nicht positiv Mikropolitik einsetze, wenn ich die Macht, die ich habe, nicht einsetze für die Dinge, die mir wichtig sind, dann frisst die Mikropolitik der anderen mich meine Schutzbefohlenen, meine Ziele. Und dann ist auf einmal nicht mehr die Frage, ob mikropolitischen Handeln unethisch ist, sondern es wird ganz klar. Nicht mikropolitisch zu Handeln ist unethisch.