Auch dies ein alter angefangener Post, der wieder aktuell wird. Gestern Abend haben wir uns spontan getroffen, wir, die Alex- Fahrer*innen aus Stralsund. Wir waren Februar 2019 gemeinsam auf dem Törn auf den Kanaren. Und so saßen wir gemütlich am Kaminfeuer im Goldenen Anker an der Hafenkante und haben uns nicht nur Seglerlatein erzählt, sondern Erinnerungen ausgetauscht, über andere Reisen auf der Alexander von Humboldt 2, auf der Greif, und und und. Ein richtig schöner Abend.
Der Alltag verdrängt die Erinnerung an den Urlaub auf der Alex in der Regel rasant schnell. Doch zum Glück gibt's immer wieder kleine Anschubse, die mir die Alex wieder nahe bringen. Ich bin Mitglied in der Stammcrewgruppe bei Facebook. Und wie das so ist, kommen darüber Bilder und Infos.
Und der nächste Törn steht vor der Tür, im Februar geht es von Las Palmas de Gran Canaria nach La Coruna in Nordspanien.
Das Besondere an den Fahrten mit der Alexander von Humboldt 2 ist die Gemeinschaft, die in dieser Zeit auf See entsteht. Einander fremde Leute werden über einen kurzen Zeitraum zu einer Gruppe zusammengeschweißt. Durch die geteilten Wachen, das zusammen arbeiten, zusammen essen, zusammen Freizeit verbringen entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, entsteht ein Gefühl füreinander, ein Wissen umeinander. Eine Fürsorge füreinander. Diese Fürsorge macht meiner Meinung das besondere Klima aus. Nicht jeden mag man gleich leiden, mit manchen wird man nie warm. Doch man ist gemeinsam auf dem Schiff, kann nicht weg. Und vor allem braucht das Schiff jede Hand. D.h. selbst wenn ich jemanden doof finde, kann ich immer noch wertschätzen, was er oder sie für das Schiff bedeutet. Der Klugschnacker kann in der Regel gut verkaufen und mir in der Schlappskiste, dem Souvenirshop der Alex, helfen. Das kleine Mäuschen ist wendig, und geht einen guten Ausguck. Jede*r ist wichtig, das ist so deutlich auf der Alex.
Plus - auch das aufeinander achten fordert das Leben auf dem Schiff ein. Bei Seekrankheit geht es mir (und jedem anderen auch) richtig elend.
Da ist Verständnis füreinander wichtig, und nach einander gucken.
Gute Seemannschaft umfasst eben Aufmerksamkeit, Rücksicht und Vorsicht. Daraus erwächst Achtsamkeit und Wertschätzung fast von alleine. Das ist für mich der Geist der Alex, dieser Respekt voreinander und die Nähe zueinander. Das kann ich durchaus im Alltag bewahren bzw. leben.
Donnerstag, 30. Januar 2020
Dienstag, 28. Januar 2020
Die 3 HIGHligen
Im Prinzip habe ich da, wo ich lebe, Migrationshintergrund: ich bin vor mehr als 25 Jahren nach Mecklenburg-Vorpommern imigriert, ursprünglich bin ich aus NRW. Vor allem meine Musik-Sozialisation hat ostdeutsche Bands nicht enthalten. Und so sage ich begeistert ja, als eine Bekannte mich fragt, ob ich mit zum Konzert von Dirk Michaelis, Dirk Zöllner und Andre Herzberg mitkommen will. Pankow, Die Zöllner und Karussell sind Pflöcke im Kulturgut Ostrock. Nur - bis auf die jeweilige Zugabe spielen die 3 HIGHligen nur Lieder nach 1990. Eher Lieder aus 2010 und später. Also nix mit Ostalgie.
Und was für gute Lieder. Ich bin hin und weg. Dirk Zöllner fand ich ja schon bei der Vertonung der Heine-Gedichte beim Club der toten Dichter toll. Dirk Michalis' Klassiker "Als ich fortging" jagt mir immer noch eine Gänsehaut ein und sein Projekt Dirk Michaelis singt Welthits auf Deutsch hatte mir auch gut gefallen. Nur Andre Herzberg sagte mir nichts. Doch das hat sich mit dem Konzert komplett geändert.
Bei "Er ist lieb" und "Sie mästet mich" nehmen die drei sich und einen Teil der heutigen Geschlechterrealität so ironisch auf die Schippe, einfach klasse. Andere Lieder sind 1A-Deutschrock und Deutschpop. Warum läuft davon nichts im Radio? Vielleicht weil sie in einer Art von klassischer Altherrenmanier immer wieder lange Passagen von elektronischen Gitarrenriffs spielen, so dass die Lieder die radiotauglichen 3 Minuten überschreiten. Aber genau an diesen Passagen kann ich hören, was die fünf da auf der Bühne musikalisch drauf haben.
Und textlich, sprachlich bin ich sowieso hin und weg. Das Intro aus dem Off ist die Passage aus der Weihnachsgeschichte mit den Heiligen Drei Königen. Und sie fanden das Volk in der Halle ... mit dem Schlenker zum Urheberrecht und dem Verbot von Filmaufnahmen. Witzig und intelligent gemacht.
Was mich zutiefst berührt hat, sind die Lieder "Gott sucht Göttin", das eigentlich Zwei Sonnen heißt, von Dirk Zöllner sowie "Seelenverwandt" von Dirk Michaelis. Ebenso "Bis hierher" von Andre Herzberg.
Gerade nachdem ich im ZEGG erlebt habe, was zwischen Frauen und Männern an Kontakt und Austausch möglich ist, treffen mich diese Texte ins Mark.
Alle drei Männer/Sänger zeigen eine Form von klarer, angenehmer Männlichkeit, die weit weg von toxisch ist. Für mich ist deutlich zu spüren, dass sie inzwischen mit sich, ihrem Alter, ihrem Leben im Reinen sind.
Das Lied "Grau" von Andre Herzberg trifft mich auf einer ganz anderen Ebene. Alltagsgrau, Depressionsgrau. Aber wieder geht es um Fühlen. Nur dann kommt mann und frau vermutlich zu einer solchen Klarheit, die so schöne Lieder ermöglicht.
Und was für gute Lieder. Ich bin hin und weg. Dirk Zöllner fand ich ja schon bei der Vertonung der Heine-Gedichte beim Club der toten Dichter toll. Dirk Michalis' Klassiker "Als ich fortging" jagt mir immer noch eine Gänsehaut ein und sein Projekt Dirk Michaelis singt Welthits auf Deutsch hatte mir auch gut gefallen. Nur Andre Herzberg sagte mir nichts. Doch das hat sich mit dem Konzert komplett geändert.
Bei "Er ist lieb" und "Sie mästet mich" nehmen die drei sich und einen Teil der heutigen Geschlechterrealität so ironisch auf die Schippe, einfach klasse. Andere Lieder sind 1A-Deutschrock und Deutschpop. Warum läuft davon nichts im Radio? Vielleicht weil sie in einer Art von klassischer Altherrenmanier immer wieder lange Passagen von elektronischen Gitarrenriffs spielen, so dass die Lieder die radiotauglichen 3 Minuten überschreiten. Aber genau an diesen Passagen kann ich hören, was die fünf da auf der Bühne musikalisch drauf haben.
Und textlich, sprachlich bin ich sowieso hin und weg. Das Intro aus dem Off ist die Passage aus der Weihnachsgeschichte mit den Heiligen Drei Königen. Und sie fanden das Volk in der Halle ... mit dem Schlenker zum Urheberrecht und dem Verbot von Filmaufnahmen. Witzig und intelligent gemacht.
Was mich zutiefst berührt hat, sind die Lieder "Gott sucht Göttin", das eigentlich Zwei Sonnen heißt, von Dirk Zöllner sowie "Seelenverwandt" von Dirk Michaelis. Ebenso "Bis hierher" von Andre Herzberg.
Gerade nachdem ich im ZEGG erlebt habe, was zwischen Frauen und Männern an Kontakt und Austausch möglich ist, treffen mich diese Texte ins Mark.
Alle drei Männer/Sänger zeigen eine Form von klarer, angenehmer Männlichkeit, die weit weg von toxisch ist. Für mich ist deutlich zu spüren, dass sie inzwischen mit sich, ihrem Alter, ihrem Leben im Reinen sind.
Das Lied "Grau" von Andre Herzberg trifft mich auf einer ganz anderen Ebene. Alltagsgrau, Depressionsgrau. Aber wieder geht es um Fühlen. Nur dann kommt mann und frau vermutlich zu einer solchen Klarheit, die so schöne Lieder ermöglicht.
Samstag, 25. Januar 2020
Nuttenhunde
Auf meinem Fensterbrett in der Küche stehen zwei Porzellanhunde und gucken mich an. In meiner Wohnung, die sonst eher von Kunsthandwerk geprägt ist, ein ungewohnter, kitschiger Anblick.

Ich liebe diese Hunde. Denn sie haben Geschichte, erzählen Geschichten.
Geschichte 1:
Eine gute Freundin von mir fährt seit Kindertagen bis heute jedes Jahr im Sommer nach Fanö. Eine dänische Insel in der Nordsee mit Seefahrertradition. Im dortigen Heimatmuseum gibt es eine Abteilung, in der die Mitbringsel der Seeleute ausgestellt sind. Mich faszinieren die sogenannten Chinadogs. Dabei waren die gar nicht aus China, sondern aus Staffordshire in England. Meine sind echt aus China, weil heutzutage sowas nur noch in China produziert wird. Bzw. echt aus Fanö, weil ich sie im dortigen Heimatmuseum gekauft habe. Auch als Erinnerung an meine Fanö-Urlaube seit dem Studium und meine Freundin.
Geschichte 2:
Zwischen 1830 und 1870 war Porzellan mit Goldbesatz aus England DAS Mitbringsel von Seefahrern für ihre zuhaus gebliebenen Familien an der Nord- und Ostseeküste. Ursprünglich wurde Porzellan im 17. und 18. Jahruhundert aus China importiert, doch hat sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine blühende Porzellanproduktion in England entwickelt. Und um 1850 kommen die Hunde in Mode. Es gibt sie als Pudel und als Möpse, schwarz gefleckt, rot geschekt, mit Gold, ohne Gold. Meine sind eine dezente Variante.
Geschichte 3:
Vor allem die Schiffsjungen brachten ihren Müttern diese Hunde als Mitbringsel bzw. Souvenirs von ihrer ersten Reise mit. Sie wurden von den Frauen der Fahrensleute auf die Vertikos und Kommoden gestellt, in Gruppen von zwei, drei oder mehr Paaren. Weil in den Dörfern und Küstenorten eigentlich der komplette männliche Teil des Konfirmandenjahrgangs auf Seefahrt ging. Richard Wossidlo hat schöne Geschichten gesammelt, wie die Mütter die Hunde wertschätzten und bei Sturm die Figuren in die Hand nahmen, in Sorge um ihre Söhne auf See.
Und so erinnern mich die Hunde an meine Töchter, die auch in die weite Welt gegangen sind.
Geschichte 4:
Jetzt erst kommen die Nuttenhunde ins Spiel. Diese Bezeichnung für die Hunde gibt es nur zwischen Kiel und Rügen, obwohl die Hunde von Holland über Dänemark bis Danzig, an der ganzen Nord- und Ostseeküste, verbreitet sind.
Vermutlich haben Badegäste aus der Stadt, Yachtsegler oder Maler aus den Malkolonien diese Geschichte nach 1900 aufgebracht: dass die Hunde von britischen Hafenprostituierten an die Seeleute gegeben worden seien. Oder noch böser: Je nachdem, ob die Hunde nach drinnen oder draußen schauten, waren sie ein Signal für den Liebhaber.
Alles Humbug: in ihrem urspünglichen Kontext standen die Hunde nie im Fenster.
Uhh.. Arroganz der Städter, Unwissenheit und Klatschsucht gepaart.
Woher ich das alles weiß? Von Wolfgang Rudolph, Seefahrer-Souvenirs. Steingut, Fayence und Porzellan aus 3 Jahrhunderten. Kulturgeschichtliche Miniaturen. Edition Leipzig 1982, S. 87-88; 113-115; Abb. 83.84; 86-90; 93.
Ich eigne mir die Hunde für mich, auf meine Weise, an. Wenn ein oder zwei Hunde nach draußen schauen, sind die Mädchen zuhause, wenn nicht, schauen mich die Hunde an und erinnern mich sie.

Ich liebe diese Hunde. Denn sie haben Geschichte, erzählen Geschichten.
Geschichte 1:
Eine gute Freundin von mir fährt seit Kindertagen bis heute jedes Jahr im Sommer nach Fanö. Eine dänische Insel in der Nordsee mit Seefahrertradition. Im dortigen Heimatmuseum gibt es eine Abteilung, in der die Mitbringsel der Seeleute ausgestellt sind. Mich faszinieren die sogenannten Chinadogs. Dabei waren die gar nicht aus China, sondern aus Staffordshire in England. Meine sind echt aus China, weil heutzutage sowas nur noch in China produziert wird. Bzw. echt aus Fanö, weil ich sie im dortigen Heimatmuseum gekauft habe. Auch als Erinnerung an meine Fanö-Urlaube seit dem Studium und meine Freundin.
Geschichte 2:
Zwischen 1830 und 1870 war Porzellan mit Goldbesatz aus England DAS Mitbringsel von Seefahrern für ihre zuhaus gebliebenen Familien an der Nord- und Ostseeküste. Ursprünglich wurde Porzellan im 17. und 18. Jahruhundert aus China importiert, doch hat sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine blühende Porzellanproduktion in England entwickelt. Und um 1850 kommen die Hunde in Mode. Es gibt sie als Pudel und als Möpse, schwarz gefleckt, rot geschekt, mit Gold, ohne Gold. Meine sind eine dezente Variante.
Geschichte 3:
Vor allem die Schiffsjungen brachten ihren Müttern diese Hunde als Mitbringsel bzw. Souvenirs von ihrer ersten Reise mit. Sie wurden von den Frauen der Fahrensleute auf die Vertikos und Kommoden gestellt, in Gruppen von zwei, drei oder mehr Paaren. Weil in den Dörfern und Küstenorten eigentlich der komplette männliche Teil des Konfirmandenjahrgangs auf Seefahrt ging. Richard Wossidlo hat schöne Geschichten gesammelt, wie die Mütter die Hunde wertschätzten und bei Sturm die Figuren in die Hand nahmen, in Sorge um ihre Söhne auf See.
Und so erinnern mich die Hunde an meine Töchter, die auch in die weite Welt gegangen sind.
Geschichte 4:
Jetzt erst kommen die Nuttenhunde ins Spiel. Diese Bezeichnung für die Hunde gibt es nur zwischen Kiel und Rügen, obwohl die Hunde von Holland über Dänemark bis Danzig, an der ganzen Nord- und Ostseeküste, verbreitet sind.
Vermutlich haben Badegäste aus der Stadt, Yachtsegler oder Maler aus den Malkolonien diese Geschichte nach 1900 aufgebracht: dass die Hunde von britischen Hafenprostituierten an die Seeleute gegeben worden seien. Oder noch böser: Je nachdem, ob die Hunde nach drinnen oder draußen schauten, waren sie ein Signal für den Liebhaber.
Alles Humbug: in ihrem urspünglichen Kontext standen die Hunde nie im Fenster.
Uhh.. Arroganz der Städter, Unwissenheit und Klatschsucht gepaart.
Woher ich das alles weiß? Von Wolfgang Rudolph, Seefahrer-Souvenirs. Steingut, Fayence und Porzellan aus 3 Jahrhunderten. Kulturgeschichtliche Miniaturen. Edition Leipzig 1982, S. 87-88; 113-115; Abb. 83.84; 86-90; 93.
Ich eigne mir die Hunde für mich, auf meine Weise, an. Wenn ein oder zwei Hunde nach draußen schauen, sind die Mädchen zuhause, wenn nicht, schauen mich die Hunde an und erinnern mich sie.
Pünktchen und der rosa Rucksack
Nachts unterwegs in Berlin. Nicht Pünktchen und Anton, und auch nicht Pony Hütchen. Dabei stammt die Location, das Ballhaus Clärchen, aus der Zeit von Erich Kästner. Ich habe ein gepunktetes Kleid an, und in Kombination mit dem rosa Rucksack bin ich auf der Tanzfläche sofort zu erkennen.
Ein Post aus dem Oktober 2018. Warum ich den nicht veröffentlicht habe? Weil ich kein schönes Bild von mir habe. Insofern macht es Sinn, nochmal über Zensur und Selbstzensur nachzudenken!
Ein Post aus dem Oktober 2018. Warum ich den nicht veröffentlicht habe? Weil ich kein schönes Bild von mir habe. Insofern macht es Sinn, nochmal über Zensur und Selbstzensur nachzudenken!
Helden sind nicht Einzelne
Der älteste, nicht ausgeführte Post. Juni 2017.
Der Titel ist das, was mich am meisten zu der Ausstellungseröffnung Freitag Abend letzte Woche hin gezogen hat. Klar, Luther, Reformation, das interessiert mich schon. Zumal ich immer noch die Anfrage für einen Vortrag "Frauen in der Reformation in Stralsund" habe. Doch nach einer stressigen Woche Freitags Abends nochmal vor die Tür, das ist schon eine Überwindung.
Helden sind nicht Einzelne. Das stimmt und das stimmt nicht. Jeder Einzelne muss den Mut aufbringen für eine Tat, die etwas von ihm abfordert, die ihn über seine Grenzen hinaus wachsen lässt, die ihn zu einem Helden macht. Jede einzelne Frau muss den Mut aufbringen, gegen Geschlechterrollen-Stereotype anzuleben, weil sie körperlich rund ist, weil sie Kinder hat und Vollzeit arbeitet, weil sie in einem technischen Beruf arbeitet, weil sie ehrgeizig ist, weil sie Karriere macht. Jede Frau ist eine Heldin, wenn sie diesen alltäglichen Geschlechter-Schwachsinn halbwegs unbeschadet übersteht. Jede Einzelne muss den Mut aufbringen für Taten, die ihr etwas abfordern, die sie über ihre Grenzen hinauswachsen lässt, was sie zu einer Heldin macht.
Und doch ändert sich das Heldenbild. In fast allen Sagen und Märchen, in den Geschichten in den Büchern und im Kino sind es Einzelkämpfer, einzelne Helden und Heldinnen, die herausleuchten, das reicht von Odysseus bis zu Superman und James Bond. Und auch von Bodicäa und Jeanne d'Arc bis Katniss Everdeen. Doch es gibt immer mehr Geschichten, wo Gruppen einen Erfolg ausrichten, wo jeder Einzelne zur Gruppe beiträgt, und nur gemeinsam ein Erfolg errungen wird. Das erste Mal ist mir das so richtig aufgefallen in der Reihe von Veronica Roth, Die Bestimmung Bd. 1-3. Aber auch bei den Avengers ist es deutlich zu sehen. Nur gemeinsam sind sie stark genug.
Und so ist das alte Zitat von Luther aus dem 16. Jahrhundert jetzt endlich in der Realität angekommen.
Helden sind nicht Einzelne, nur gemeinsam schaffen wir, was wir wollen, uns wünschen. Menschen sind auf Kooperation angelegt, nicht auf Konkurrenz.
Der Titel ist das, was mich am meisten zu der Ausstellungseröffnung Freitag Abend letzte Woche hin gezogen hat. Klar, Luther, Reformation, das interessiert mich schon. Zumal ich immer noch die Anfrage für einen Vortrag "Frauen in der Reformation in Stralsund" habe. Doch nach einer stressigen Woche Freitags Abends nochmal vor die Tür, das ist schon eine Überwindung.
Helden sind nicht Einzelne. Das stimmt und das stimmt nicht. Jeder Einzelne muss den Mut aufbringen für eine Tat, die etwas von ihm abfordert, die ihn über seine Grenzen hinaus wachsen lässt, die ihn zu einem Helden macht. Jede einzelne Frau muss den Mut aufbringen, gegen Geschlechterrollen-Stereotype anzuleben, weil sie körperlich rund ist, weil sie Kinder hat und Vollzeit arbeitet, weil sie in einem technischen Beruf arbeitet, weil sie ehrgeizig ist, weil sie Karriere macht. Jede Frau ist eine Heldin, wenn sie diesen alltäglichen Geschlechter-Schwachsinn halbwegs unbeschadet übersteht. Jede Einzelne muss den Mut aufbringen für Taten, die ihr etwas abfordern, die sie über ihre Grenzen hinauswachsen lässt, was sie zu einer Heldin macht.
Und doch ändert sich das Heldenbild. In fast allen Sagen und Märchen, in den Geschichten in den Büchern und im Kino sind es Einzelkämpfer, einzelne Helden und Heldinnen, die herausleuchten, das reicht von Odysseus bis zu Superman und James Bond. Und auch von Bodicäa und Jeanne d'Arc bis Katniss Everdeen. Doch es gibt immer mehr Geschichten, wo Gruppen einen Erfolg ausrichten, wo jeder Einzelne zur Gruppe beiträgt, und nur gemeinsam ein Erfolg errungen wird. Das erste Mal ist mir das so richtig aufgefallen in der Reihe von Veronica Roth, Die Bestimmung Bd. 1-3. Aber auch bei den Avengers ist es deutlich zu sehen. Nur gemeinsam sind sie stark genug.
Und so ist das alte Zitat von Luther aus dem 16. Jahrhundert jetzt endlich in der Realität angekommen.
Helden sind nicht Einzelne, nur gemeinsam schaffen wir, was wir wollen, uns wünschen. Menschen sind auf Kooperation angelegt, nicht auf Konkurrenz.
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Frauen, die schreiben, ...
... leben gefährlich.
Meine Mutter hat als Mitbringsel ein Buch bekommen, dass sie mir vermacht. Frauen, die schreiben, leben gefährlich von Stefan Bollmann. Es ist Teil einer ganzen Reihe ähnlicher Bücher. Dieses hat ein Vorwort von Elke Heidenreich. Mit einem Nachwort von Stefan Bollmann. Dazwischen stellt er in kleinen Kapiteln zusammen gefasst Autorinnen, Schriftstellerinnen vor. Dieser Mittelteil ist nett zu lesen, lauter kleine Häppchen. Zwei Seiten pro Autorin. Da bin ich froh, dass ich die meisten kenne. Denn jede davon verdient, dass ihre Schriften gelesen und diskutiert werden. Die einzige, die mir nichts sagt, ist Madeleine de Scudery (1607-1701). Ich erinnere aus der Schule eine Novelle "Das Fräulein von Scudery" von Keller. Zum Glück gibt es Wikipedia. Was mir aber nur begrenzt weiterhilft. Meine Erinnerung ist richtig, dieses Büchlein gibt es wirklich, es ist eine Art Krimi, mit Mademoiselle de Scudery als 80jährige Detektivin. Doch sie ist eine reale Person. Autorin viel- und dickbändiger Werke, die es nie geehrt wurden, ins Deutsche übersetzt zu werden.
Nun bin ich keine Autorin, sondern Leserin. Ich nehme die Impulse auf, die mich über Bücher erreichen. Fühle mich angesprochen durch Passagen, Sätze, Wörter. Durch Lebensentwürfe in Büchern, durch Lebensbeschreibungen, Lebenserfahrungen der Autorinnen. Und so ist das der eigentliche Schatz dieses Buches für mich. Mein anders Sein als viele Menschen in meiner Umgebung, mein anders Leben als die Vorgaben meiner Herkunftsfamilie verlangen, auf einmal finde ich Heimat bei diesen Autorinnen.
Meine Mutter hat als Mitbringsel ein Buch bekommen, dass sie mir vermacht. Frauen, die schreiben, leben gefährlich von Stefan Bollmann. Es ist Teil einer ganzen Reihe ähnlicher Bücher. Dieses hat ein Vorwort von Elke Heidenreich. Mit einem Nachwort von Stefan Bollmann. Dazwischen stellt er in kleinen Kapiteln zusammen gefasst Autorinnen, Schriftstellerinnen vor. Dieser Mittelteil ist nett zu lesen, lauter kleine Häppchen. Zwei Seiten pro Autorin. Da bin ich froh, dass ich die meisten kenne. Denn jede davon verdient, dass ihre Schriften gelesen und diskutiert werden. Die einzige, die mir nichts sagt, ist Madeleine de Scudery (1607-1701). Ich erinnere aus der Schule eine Novelle "Das Fräulein von Scudery" von Keller. Zum Glück gibt es Wikipedia. Was mir aber nur begrenzt weiterhilft. Meine Erinnerung ist richtig, dieses Büchlein gibt es wirklich, es ist eine Art Krimi, mit Mademoiselle de Scudery als 80jährige Detektivin. Doch sie ist eine reale Person. Autorin viel- und dickbändiger Werke, die es nie geehrt wurden, ins Deutsche übersetzt zu werden.
Nun bin ich keine Autorin, sondern Leserin. Ich nehme die Impulse auf, die mich über Bücher erreichen. Fühle mich angesprochen durch Passagen, Sätze, Wörter. Durch Lebensentwürfe in Büchern, durch Lebensbeschreibungen, Lebenserfahrungen der Autorinnen. Und so ist das der eigentliche Schatz dieses Buches für mich. Mein anders Sein als viele Menschen in meiner Umgebung, mein anders Leben als die Vorgaben meiner Herkunftsfamilie verlangen, auf einmal finde ich Heimat bei diesen Autorinnen.
Ausdruck lindert Druck
2016 war ich sechs Wochen in Heiligenfeld, einer Fachklinik für Psychosomatik in Bad Kissingen. Burnout.
Zuviel Druck auf Arbeit, zuviel Druck in mir drin, zuwenig Ausdruck in Beziehung, Spiritualität und Kreativität. Sechs Wochen, in denen ich mich Stück um Stück wieder zusammengesetzt habe, und bis jetzt etwas mehr dreieinhalb Jahre, den Weg zu mir weitergegangen bin.
Im Kreativitätsraum in Heiligenfeld hing dieser Spruch ganz groß an der Wand. "Ausdruck lindert Druck". Er begleitet mich seitdem. Weil er für mich auf so vielen Ebenen stimmt. Wenn ich mein Leid ausdrücken kann, wenn ich die dazu gehörigen Gefühle artikulieren oder malen kann, verlieren sie an Wucht. Dann kann ich sie eher verarbeiten, kann ich sie loslassen. "Ein gefühltes Gefühl dauert ungefähr fünf bis zehn Minuten, ein nicht gefühltes Gefühl kann ein Leben lang andauern" (Annette Dröge, Fühlen ist gesund. Bielefeld 2019).
Manches Mal ist der Druck immer noch so hoch, dass ich Zeit brauche, mich zu sortieren. Und dann bleiben angefangene Posts liegen. Doch (siehe oben) Ausdruck lindert Druck. Und so habe ich mir vorgenommen, die ca. 20 angefangenen Posts zu beenden und zu veröffentlichen. Dann bin ich sie los, sind sie raus aus meinem System. Also nicht wundern, wenn der Auslöser für einige der nächsten neuen Posts schon einige Zeit zurück liegt.
Zuviel Druck auf Arbeit, zuviel Druck in mir drin, zuwenig Ausdruck in Beziehung, Spiritualität und Kreativität. Sechs Wochen, in denen ich mich Stück um Stück wieder zusammengesetzt habe, und bis jetzt etwas mehr dreieinhalb Jahre, den Weg zu mir weitergegangen bin.
Manches Mal ist der Druck immer noch so hoch, dass ich Zeit brauche, mich zu sortieren. Und dann bleiben angefangene Posts liegen. Doch (siehe oben) Ausdruck lindert Druck. Und so habe ich mir vorgenommen, die ca. 20 angefangenen Posts zu beenden und zu veröffentlichen. Dann bin ich sie los, sind sie raus aus meinem System. Also nicht wundern, wenn der Auslöser für einige der nächsten neuen Posts schon einige Zeit zurück liegt.
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