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Freitag, 26. Mai 2017

Tour de France Feeling

In Vorpommern wird der Herrentag üblicherweise dadurch gefeiert, dass die Männer mit Bier und Bollerwagen losziehen. Nun mag ich kein Bier und bin auch kein Mann. Zum Glück geht das auch einem Haufen anderer Menschen so. Diese ziehen in der Regel (mit und ohne Bier) mit geschmückten Fahrrädern los, Freund*innen-Gruppen und Familien. Genau so haben wir das heute auch gemacht. Meine Freundin aus Studienzeiten ist mit ihrer Familie (und den zugehörigen Fahrrädern) bei mir zu Besuch. Heute morgen haben wir erst einmal recherchiert, aus welcher Richtung der Wind kommt. Nachdem Nordwest feststand, sind wir mit dem Zug nach Barth gefahren - damit wir Rückenwind haben☺.

Und sind dann gemütlich die 45 km auf dem Ostseeküsten-Radwanderweg von Barth nach Stralsund gefahren. Meistens entlang des Bodden, mit Blick auf den Zingst, auf Hiddensee und auf Rügen. Haben die Segelboote auf dem Sund bewundert, haben das Dorffest im neuen Hafen von Dabitz sorgfältig gemieden, genauso wie die größere Feier am Prohner See. Wir waren im Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf sowie am Wind-Schöpfwerk in Groß Flemendorf, was ein technisches Denkmal ist. Die diversen Pausen auf dem Deich mit Prinzenrolle und TicTac (12jährige haben doch andere Vorlieben als Erwachsene), in Schutzhütten und Pavillons mit Obst, Kaffee und Stulle -  fast alles was eine gelungene Fahrrad-Tour braucht, war dabei. Bisschen wenig Kultur, um meine Freundin zu zitieren. Die Kirche in Groß Mohrdorf war nämlich schon geschlossen.

Was mir am besten gefallen hat? An einer Stelle haben die Leute mit dem Bollerwagen für uns Publikum der Tour de France gespielt. Mit allem Drum und dran. Flaschen schwenken, Anfeuerungsrufe, schön ein Spalier bilden. Das ist echt ein cooles Gefühl. Bei den Gruppen danach habe ich dann immer gerufen "Tour de France, Action". Und prompt haben die Jungs geschrieen und gewunken. Da schaffe ich die Pseudo-Mont Ventouxs, die wir hier in Vorpommern haben, gleich dreimal besser.

Fazit: Rückenwind und Sonnenschein - und keinen Muskelkater!

Mittwoch, 24. Mai 2017

Bestanden




Was bin ich glücklich. Seit gestern bin ich stolze Besitzerin des Sportbootführerschein See.Die ganze Lernerei und Überei hat sich gelohnt. 30 Fragen, Null Fehler. Navigation, Knotenkunde, praktische Fahrprüfung, alles bestanden.
Übungs- und Prüfungsrevier
70 Leute theoretisch prüfen geht ohne weiteres. Zwei Gruppen, weil der Raum sonst zu klein ist, jeder kriegt einen anderen der 15 verschiedenen Fragebögen, da kann keiner und keine spicken, egal wie dicht Nachbarin oder Nachbar sitzen. Doch 70 Leute durch die praktische Prüfung lotsen, das ist schon was anderes. Rückwärts ablegen, nach Kurs fahren, Kurs ändern, Kompasspeilung ansagen, Mann über Bord Manöver fahren und wieder anlegen. Das dauert schnell fünf Minuten und eher 7 Minuten. Low speed, low damage. Für meine Nerven ist es auch besser, alles gaaanz langsam zu machen. Langer Rede kurzer Sinn: Ich war halb zwei am Anleger, und um 19 Uhr hatte ich meinen Schein in der Tasche. Und ansonsten habe ich auf dem Deck der Freundschaft gesessen und mich gesonnt. Mit ordentlich Sonnenschutzmittel. Weil das ist die häufigste Verletzung beim Wassersport: Sonnenbrand!

Hier noch ein paar Bilder von meinen verschiedenen Lerneinheiten:

Boot fahren bei jedem Wetter, wirklich jedem
Im Oktober war das Wetter schon ziemlich rauh, mit kaltem Regen und frischem Wind. Jetzt die Übungseinheiten im Mai fanden bei Sonnenschein, 28° C und leichtem Wind statt. Das war schon ein ganz anderer Schnack, nicht unbedingt angenehmer. Menschen wie Ich gedeihen nun mal am Besten bei Temperaturen deutlich unter 25 ° C.


Navigation ist wirklich mein Liebstes. Geodreiecke, Zirkel, und vor allem Karten, Karten, Karten. Reisen mit dem Finger auf der Landkarte ist sowieso eins meiner Hobbys. Da kratzt es mich auch nicht, dass ich bei der Prüfungsaufgabe für den Leuchtturm Westerhever ganz schön ins Blaue geraten habe, wie nun sein Feuer aussieht. Das hatte ich nämlich nicht gelernt.



Essen beim Lernen. Nachher wurde mir die Zeit ganz schön knapp.
Da wurde dann auch mitten im Lernmaterial gefrühstückt.

Knotenkunde ist/war mein schwächstes Fach. Die Hände müssen den Befehl des Gehirns "Knoten xy, aber husch, husch" umsetzen. Und Achterknoten, Kreuzknoten, Palstek, Stopperstek, Webeleinstek und Rundtörn mit zwei halben Schlägen auch noch erkennen, wenn nur angesagt wird, "Ausrauschen der Leine verhindern", "feststehende Schlaufe herstellen" und sowas.



Sportbootführerschein See ist sowas wie Abitur in der Tasche. Die große weite Welt der Meere steht mir jetzt offen. Grönland, Alaska, Tschukotka, ich komme.

Und nochmal ein großer Dank an alle, die mich unterstützt haben: Ute, mit der ich vor zwei Jahren den Kurs besucht habe und die ersten Übungen gemacht habe, Sebastian, Matthias und Florian, die damals mit mir die ersten Fahrstunden absoviert haben; Franka, die mit mir Knoten und Boot fahren geübt hat, bis ich es aus dem Effeff konnte; Joachim, der mich dazu gebracht hat, Navigation wirklich zu üben, Wilhelm, Ronald und Reinhard, die nicht immer an mich geglaubt haben, aber ermöglicht haben, dass wir das Boot kriegen; Ronald für die Installation der App zum Üben; Sebastian, Max, Tobias und einige andere Studenten, die mit mir Übungsrunden im Boot gefahren sind, sie alle, dazu Sabine und die Studentinnen, die mir Mut gemacht haben, die mich von meiner Nervosiät abgelenkt haben; Simon, der mir diskret bei den Knoten geholfen hat; ach und überhaupt Dank an euch alle, die ich zu texten konnte, dass ich SBF See mache und was ich gerade mache, gerade zum Schluß, als ich außer der Prüfung kein anderes Gesprächsthema mehr hatte, Thanks a lot for your help.

Sonntag, 21. Mai 2017

Kartenkunde, Boot fahren, Knoten und einen Haufen Theorie

Noch zwei Tage, dann wird es ernst. Prüfung Sportbootführerschein See, die zweite. Diesmal bin ich deutlich besser vorbereitet. Franka hat mit mir Boot fahren geübt, solange, bis ich wirklich sicher bin, was ich da mache. Auch wenn ich immer noch nervös werde, wenn es eng wird. In der Prüfung werde ich meinen ganzen Mut zusammen nehmen müssen, auf Pokerface machen und hochkonzentriert bis zum Aussteigen bleiben. Knoten ist Übungssache, da muss ich mich auch ziemlich konzentrieren, damit meine Finger sich erinnern, was ich da mache.
Die Theorie übe ich brav mit meiner App, dazu die Powerprüfungsvorbereitung im Netz. Langsam werden die Fragebogen fehlerfrei, auch wenn Lichterführung und Schallsignale sich immer noch verweigern. Seufz.
Navigation ist definitv mein liebstes. Ich habe wie letztes Mal nur fünf Karten durchgeübt, weil ich einfach instinktiv weiß, was ich da mache. War das Geographie-Studium mal wieder zu was nütze ☺.

Samstag, 22. April 2017

Prüfungsvorbereitungen

Am 23. Mai steht die Prüfung für den Sportbootführerschein See an. Vor zwei Jahren bin ich ja durch gefallen, letztes Jahr bin ich nicht angetreten, und dieses Jahr will ich bestehen. Vier Prüfungsteile muss ich können. Knotenkunde, Kartenkunde, theoretische Fragen und praktische Fahrprüfung.
Die Stimmen in meinem Umfeld lauten von "Warum tust du dir das an?" bis hin zu "Die fällt doch sowieso wieder durch". Beides nicht sonderlich motivierend.
Heute habe ich meinen Führerschein kopiert, damit habe ich alle notwendigen Unterlagen zusammen, um mich wieder zur Prüfung anzumelden. Warum ich mir das antue, weiß ich ganz genau: gestern war ich wieder auf dem Wasser, erste Fahrstunde nach Oktober. Es geht mir einfach gut damit. Draußen sein, den Wind und das Wasser spüren, dieses Zusammenspiel der Kräfte und ich mittendrin. Jetzt heißt es also üben, üben, üben. Die App zum Theorie-Lernen ist auf dem Handy installiert, die ersten Knoten sind wieder erinnert, zwei Tage Urlaub zur letzten Vorbereitung sind auch genehmigt. Diesmal nehme ich die Prüfung ernst.

Donnerstag, 20. April 2017

Casa Di Ba

Posted: 19 Apr 2017 12:02 AM PDT
Herzlich willkommen in meinem Garten begrüßt uns Uschi.  Draußen geht der dicke Regenschauer runter. 4 º Celsius Außentemperatur. Wir sitzen gemütlich in Andrea's großem Seminarraum. Uschi hat eingeladen in ihren Garten zum Trommelnachmittag am Ostermontag. Woran bei diesem Wetter nicht zu denken ist, und so sind wir ausgewichen in den Seminarraum. Vor einigen Jahren zugezogen aus Baden-Württemberg, aus irgendwo zwischen Baden-Baden und Straßburg, hat sie einige ihrer alten Freundinnen zu Besuch. Sie haben ihre Trommellehrerin Gerda überredet an die Ostsee zu fahren, und Meer und Sonne zu genießen. Was an diesem konkreten Wochenende nicht so wirklich umsetzbar ist. Dafür ist das Alternativ-Programm um so schöner. Wir, die neuen Freundinnen, sind eingeladen, gemeinsam einem Trommelkonzert zu zu hören, und dann auch selbst zu trommeln. Und so tanzen und trommeln wir an diesem eiskalten Ostermontag afrikanische Rhythmen, essen gemeinsam Kuchen, trinken Kaffee. Werden miteinander vertraut, alte und neue Freundinnen mischen sich, tauschen sich aus, reden miteinander.  Es wärmt mein Herz, meinen Körper, meine Seele.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Sandra Bergemann - Fotografie

Aus den Augenwinkeln sehe ich das Plakat. Eine dunkelbraungraue Berglandschaft mit Schnee, die nach hinten im Bild immer heller, immer weißer wird. Magisch angezogen bin ich von dem Bild. Ist das überhaupt ein Foto? Oder ist das gemalt? Auf jeden Fall ist es meisterhaft komponiert. Von der Welt im Innern No.2. Sandra Bergemann heißt die Fotografin, und die angekündigte Ausstellung ist quasi um die Ecke, auf Schloß Wiligrad am Schweriner See. Und sie haut mich um. Gegen das Sehen Tryptichon No. 1 zeigt drei Bilder, ein Tryptichon, aus einem Bergpanorama, ganz in weißgrau getaucht. Auf den ersten Blick ganz logisch, ein Berg, eine Aufnahme, in drei Teile geschnitten. Erst auf den zweiten und dritten Blick sehe ich, dass es drei unterschiedliche Berge sind, erneut meisterhaft komponiert. Das knalleblaue Bild, wo ein Schatten, ein diffuses helles Licht das Fischerboot erkennen lässt, der Mond über dem nächtlichen Meer; genial schöne Bilder. Von der Welt im Innern No. 14 und 15. Man merkt, sie kommt aus Stralsund, sie kennt die Bilder von Caspar David Friedrich, vermutlich kennt sie auch die Bilder von Louis Douzette. Aber vor allem kennt sie und nutzt sie die Möglichkeiten, die ihrem sicheren Auge und der sie umgebenden Natur innewohnen.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Wilde Wellen

Spaziergang in Zingst an der Ostsee. Die Sonne scheint, der Wind kachelt aus Nordwest. 5-6 Beaufort, in Böen 7-8 Bft. Da merke ich doch wieder was 5 Beaufort, eine frische Brise, in der Realität bedeuten. Mässige Wellen, überall Schaumkämme sind die Anzeichen auf See. An Land bewegen sich größere Äste und Bäume, der Wind wird deutlich hörbar. Umgesetzt auf den Strand heißt das, der Sand wird aufgewirbelt, peitscht ins Gesicht.




Spazieren gehen gegen den Wind ist ziemlich unangenehm und anstrengend. Also lassen wir uns in Windrichtung am Strand entlang treiben und gehen über den Deich, im Schatten des Küstenschutzwaldes, zurück.

Ostsee ist Windgezeitenmeer. Der normale Ebbe-Flut-Unterschied sind knappe 30 cm, eher weniger. Und dann kommt der Wind, und weht mit 5 Bft tagelang aus Nordwest. Und schwupp verschwindet der Strand unter hohen Wellen. An der Seebrücke türmen sich die Wellen zwei Meter hoch.



Diese Naturkräfte zu erleben, zu spüren, zu genießen. Welch ein Glück, hier zu leben. Und noch mehr Glück, liebe Menschen zu haben, mit denen ich das teilen kann.