Montag, 20. Februar 2017

Oscar Nominierungen 2017



Zweimal Kino, zweimal amerikanisches Kino, zweimal Hollywood Film, zweimal Oscar 2017 nominierter Film. Beide Male starke Frauenpersönlichkeiten, erfolgreiche, toughe, gut aussehende, attraktive Frauen. Intelligente, erfolgsorientierte, selbst bewusste, willensstarke Frauen. Und so unterschiedliche Aussagen. La La Land und Hidden Figures. In La La Land will Emma Stone erfolgreiche Schauspielerin werden. Und wird es auch, inklusive erfolgreicher Stücke- und Skripte-Schreiberin. Ryan Gosling hilft ihr dabei. Er unterstützt sie, ihrem Traum zu folgen. Die Tanzszenen, die Gesangsszenen, wie sie sich kennenlernen, sind goldig. Wie sie seine Aufmerksamkeit erregt, wie sie sich versichern, dass es nur so Bekanntschaft, keine Liebe ist, einfach wunderschön und gefühlvoll inszeniert. Wie sich ihre Gefühle ändern, wie sie sich annähern, ganz großes Kino. Und es bleibt großes Kino. Wie er Erfolg hat als Mitglied einer Band, was definitiv nicht sein Traum ist. Wie sie sich zerstreiten, weil sie ihn daran erinnert, was sein großer Traum war. Wie er leidet, als sie getrennt sind. Und wo er doch zu ihr fährt und ihr die Nachricht bringt, dass sie vorsprechen kann für eine Serie, eine Rolle. Ganz großes Kino. Und dann kippt der Film. Ins Negative, ins Unerlöste, ins Frustige. In die Falschheit. In der einen Szene hilft er ihr, in der nächsten Szene singt sie vor und bekommt die Rolle. Und in der übernächsten Szene sieht man Emma Stone in Abend Ausgehkleidung, sagt dem Kind und dem Babysitter auf Wiedersehen, mit einem unscheinbaren anderen Mann im Schlepptau. Nicht Ryan Gosling. Und dann wird gezeigt, wie ihr Mann am Ende des Abends mit ihr noch in eine Bar will. In eine Bar geht, die auf dem Weg liegt. Und es ist – natürlich – ausgerechnet die Bar, mit der Ryan Gosling seinen Traum verwirklicht hat. Genauso erfolgreich, wie sie ihren Traum verwirklicht hat. Nur - eben nicht zusammen. Als er sie sieht, spielt er am Piano das Lied, über dem sie sich beim zweiten Mal getroffen haben. Ihr gemeinsames Lied. Und bekommt diesmal den Applaus, der ihm damals verwehrt wurde. Währenddessen kommt eine Traumsequenz, in der gezeigt wird, wie es hätte sein können, wenn die beiden zusammen geblieben wären. In der letzten Szene dieser Traumsequenz verabschiedet sie sich in Abendkleidung von Kind und Babysitter, und der Mann, mit dem sie ausgeht, ist Ryan Gosling. Dann wird wieder zurückgeblendet in den Club. Er guckt sie an, sie guckt ihn an. Und dann geht sie mit dem anderen Mann aus dem Club, nach Hause, in ihr anderes Leben.
Ich war so fertig nach dem Film. So traurig. Da lieben sich zwei. Unterstützen sich bei der Verwirklichung ihrer beruflichen Träume. Machen ihr Ding, machen Karriere. Und dann erträgt Hollywood dieses doppelte Glück nicht. Ich finde die Botschaft eindeutig. Verwirkliche deine Träume, aber erwarte nicht, dass deine Liebe dann lebbar ist. Du kannst nur eins von beiden haben. Das trifft mich bis ins Mark.
So ganz anders Hidden Figures. Und sogar nach einer wahren Geschichte. Drei afroamerikanische Frauen 1961. Alle drei hochintelligent. Und sehr karriereorientiert. Schwarze Frau im Amerika der Sechziger. Das bedeutet gleich doppelte Diskriminierung. Es wird gezeigt, wie sich jede einzelne der drei ihren Weg, ihren Aufstieg in dieser männerdominierten NASA erkämpft. Jede von ihnen hat Kinder, eine der drei, Katherine Johnson (gespielt von Taraj P. Henson), ist verwitwet und lernt während ihres Karriereaufstiegs ihren zweiten Mann kennen. Auch hier absolut goldig, wie er erst einmal sehr tief ins Fettnäpfchen steigt mit Sprüchen und Kommentar zu intelligenten, berufstätigen Frauen. Wie sie ihn daraufhin kalt abtropfen lässt. Absolut sehenswert. Wie sehr sie sich ihrer Fähigkeiten und ihres Könnens sicher ist. Und schön zu sehen, wie er auf seinen Fehler reagiert und ihn wieder gerade rückt. Wie er dran bleibt, obwohl sie es ihm nicht leicht macht. Die Szene, wo sie zusammen kommen, genauso wie die Sequenz, wo er ihr den Heiratsantrag macht. Absolut goldig. Die Botschaft hier ist eine ganz andere. Zwar auch: Mach Karriere, mach das, was du am besten kannst. Dann aber: Die zugehörigen Männer bewundern ihre klugen Frauen, unterstützen sie, lieben sie, leben mit ihnen zusammen, haben Familie mit ihnen. Mary Jackson (gespielt von Janelle Monae), die jüngste der drei Frauen, möchte Ingenieurin werden. Die Szene, wo sie den weißen, männlichen Richter überzeugt, um den Finger wickelt, über den Tisch zieht, genau die richtigen Argumente findet, damit er ihr erlaubt, in Abendkursen ihren Abschluss zu machen. Klasse. Und dann die Szene, wo ihr eher aggressiver, auf die Ungerechtigkeiten der Diskriminierung wütender Mann am Abend ihres ersten Kurses vorher zu ihr kommt, und ihr ein Bündel Drehbleistifte schenkt, damit sie es leichter hat im Unterricht. Da habe ich Tränen in den Augen. Welch ein Liebesbeweis. Denn es ist aufgrund vorheriger Sequenzen im Film klar, dass er ihren Weg nicht für sinnvoll hält. Das Thema, dass sich durch den ganzen Film zieht, dass Liebe und Karriere gleichzeitig normal sind, das macht den Film für mich doppelt beschwingt. Denn auch die Szenen, wo es um Diskriminierung von Schwarzen geht, sind brillant. Zeigen trotz schwerem Thema Humor. Und sind oft grafisch gut umgesetzt. Katherine in leuchtend grünem Kleid inmitten lauter weiß behemdeten Männern. Grün wie die Hoffnung. Das sich etwas ändert. Die Szene in der Damentoilette mit Octavia Spencer als Dorothy Vaughan und ja wer, Kirsten Dunst als Mrs. Michael oder die einzige andere weiße Frau, die mitspielt.Wo Octavia Spencer der weißen Frau ihren Rassismus aufzeigt. Die Szenen mit den Toiletten für coloured female. Zum Schieflachen und gleichzeitig bleibt das Lachen im Halse stecken.

Beiden Filmen wünsche ich einen Haufen Oscars. Denn so sehr ich bei La La Land geheult habe, so sehr mich meine Interpretation des Schlusses angefasst hat, so sehr ist es doch ein guter, interessanter Film. Und ich habe mir auch schon andere Interpretationen anhören müssen. Das Ryan Gosling der typische Musiker ist, der neben seiner Musik keinen Raum für eine andere Liebe hat. Das Emma Stone im Rollenvorbild berühmte Diva (auch eine herrliche Szene in dem Café, in dem sie früher gekellnert hat) sowohl Kind und Familie als auch erfolgreiche Karriere hat. Ja, so kann man das auch sehen. Aber das ist nicht das große Gefühlskino, das ich gesehen habe. Das wirklich große Kino, das mich mit positivem Lebensgefühl aus dem Kino gehen lässt, das ist Hidden Figures. Ein Oscar für eine schwarze Amerikanerin, zudem eine Mathematikerin, nach einer wahren Geschichte, ein Oscar für Taraj P. Henson, das wäre über den Film hinaus ein Signal gegen Diskriminierung. Von Frauen und Schwarzen. Der Film spielt immer wieder damit, wo die Frauen welche Karte ziehen, ob sie die ersten Frauen oder die erste Farbige sind. Obwohl mir da die Ehrung von Octavia Spencer noch lieber wäre. Weil sie noch nicht man einem Schönheitsideal entspricht.
In einer Szene spielt deutsche Geschichte am Rande mit hinein. Einer der Ingenieure fragt Mary Jackson, ob sie Ingenieurin werden will. Darauf sie antwortet, sie sei eine schwarze Frau, sie glaube nicht an das Unmögliche. Woraufhin Karl Zielinski sagt: ich bin polnischer Jude, ich sollte im KZ sterben. Und stehe jetzt hier in der Raumfahrt. Das ist Riesengroßes Kino. Wie der ganze Film.
Bonmot am Rande: Mary Jackson wird von ihren Freundinnen angezählt, dass sie mit dem weißen Astronauten flirtet. Ihr Kommentar: Das ist Gleichberechtigung. Ich darf in jeder Farbe was Hübsches sehen. Geht mir auch so: Mahershala Ali, der Schauspieler, der Jim Johnson spielt, den oben erwähnten zweiten Mann von Katherine Johnson, finde ich eine Augenweide. Kevin Costner ist sowieso ein optisches Schnuckel. Immer noch.
Pharell Williams hat die Musik verantwortet. Da bin ich geneigt zu sagen: ausgerechnet der. Mit seinem Sexismus. Weil ich mich über das Video von Blurred Lines so aufrege (und gleich nochmal den Link zum guten Comedy Video). Guter Rhythmus, klasse musikalisches Lied mit elendem Text und noch schlimmerem Bildmaterial. Im Film sind die Texte total passend und frauenstärkend und antidiskriminierend. Und gefallen mir noch besser als die Musik in La La Land.
Also, beides sind vielschichtige Filme, mit großen Botschaften, grandiosen Bildern und guter Musik. Beide gucken und sich selbst eine Meinung bilden.

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